Nur wer fit ist, darf an Bord

Thomas Stasch (links), Ralf Baur (Mitte) und Dirk Göttsch warben an Bord des Seenotrettungskreuzers "Berlin" für die Teilnahme am Online-Wettbewerb "Werde Seenotretter für einen Tag" der DGzRS

Laboe. Man sollte schon fit sein, wenn man sich als „Seenotretter für einen Tag“ bewerben möchte. Wer den Online-Wettbewerb der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) gewinnt, erhält zunächst ein intensives Training, bevor er einen Tag an Bord der „Berlin“ mit im Einsatz ist. „So fertig war ich noch nie in meinem Leben. Man hat mir ganz klar meine körperlichen Grenzen gezeigt“, erinnert sich Thomas Stasch aus Siegburg an den Tag im Ausbildungszentrum der Firma Offtec im nordfriesischen Enge-Sande. In einem achtstündigen Training lernte er dort vieles von dem, was Seenotretter vor ihrem ersten Einsatz wissen müssen, und erlebte dabei meterhohe Wellen, Sturm und Regen – und das alles bei völliger Dunkelheit. Anders als der Schüler Lukas Brand aus Iserlohn, der ein Jahr nach ihm den Wettbewerb gewann, hatte Stasch 2015 sogar das Glück, an „seinem“ Tag einen echten Einsatz mitzuerleben. Für Stasch war das alles so beeindruckend, dass er bis heute den Kontakt zu den Seenotrettern in Laboe hält und in seiner Heimat als ehrenamtlicher Mitarbeiter Vorträge über die Arbeit der Seenotretter hält. „Wir bekommen fast täglich Anfragen, ob es möglich ist, einen Tag an Bord eines Seenotrettungskreuzers zu verbringen“, erklärt Seenotretter Dirk Göttsch von der Besatzung der „Berlin“ in Laboe. Nach der großen Resonanz in den beiden Vorjahren mit mehr als 1100 Bewerbungen startet die DGzRS jetzt bereits zum dritten Mal den Online-Wettbewerb „Werde Seenotretter für einen Tag“. Der Gewinner erlebt am 26. August das Training in Enge-Sande und einen Tag später 24 Stunden lang den Alltag auf dem Seenotrettungskreuzer „Berlin“. Bewerben können sich bis zum 8. August Frauen und Männer ab 18 Jahren, die mit einem ärztlichen Attest belegen, dass sie körperlich fit sind. Sie müssen ein Bild von sich selbst auf der Wettbewerbsseite werde.seenotretter.de hochladen und schreiben, warum sie den Alltag der Seenotretter erleben möchten. Der Gewinner wird aus den zehn Teilnehmern ermittelt, die die meisten Stimmen erhalten haben. Die Entscheidung fällt per Los. Die anderen neun werden zu einer Kontrollfahrt auf einem Seenotrettungskreuzer eingeladen. Die DGzRS ist zuständig für den Such- und Rettungsdienst in Nord- und Ostsee. Dazu hält sie rund 60 Seenotrettungskreuzer und -boote auf 54 Stationen zwischen Borkum und Usedom rund um die Uhr einsatzbereit. 180 fest angestellte und rund 800 freiwillige Seenotretter fahren jedes Jahr mehr als 2000 Einsätze. Die Arbeit der Seenotretter wird nur durch Spenden finanziert. Seit Gründung der DGzRS 1865 wurden mehr als 84 000 Menschen aus Seenot gerettet. Schirmherr ist jeweils der amtierende Bundespräsident. Frank-Walter Steinmeier hat gerade diese Aufgabe übernommen. Wer den Wettbewerb gewinnen möchte, muss möglichst viele Menschen dazu bringen, für ihn abzustimmen. „Ich hatte gedacht, Facebook würde viel bringen“, erinnert sich Stasch. Doch das sorgte ebenso wie andere Wege nur für wenige Stimmen. Erst als er die Lokalpresse ansprach und in der Zeitung ein Artikel über seine Bewerbung erschien, „ging es mit den Stimmen richtig hoch“. www.werde.seenotretter.de

Quelle: Kieler Nachrichten

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