"Da ist Handlungsbedarf"

Wie barrierefrei ist Laboe? Beim Rundgang des Arbeitskreises Inklusion erklärt Manfred Claus, hier mit Ulrich Schaefer, die Perspektive eines Sehbehinderten. Foto Andrea Seliger

 

LABOE. Ungünstig gelegene Parkplätze, hohe Bordsteine, zu wenige rollstuhlgerechte Toiletten: Auf einem Rundgang dokumentierte der Arbeitskreis Inklusion die Problemzonen in Laboe. Das Fazit: „Da ist Handlungsbedarf“ – sowohl für die Bürger, die nicht einmal ins Rathaus kommen, als auch für Touristen. Zu dem Rundgang hatte der Arbeitskreis öffentlich aufgerufen. Etwas enttäuscht waren Initiator Wilhelm Kuhn (AWO) und Volkmar Heller (SPD), Vorsitzender des Bildungs- und Sozialausschusses, deshalb schon, dass sich nur ein verhältnismäßig kleines Grüppchen am Treffpunkt eingefunden hatte. Zu diesen gehörte jedoch Manfred Claus (63), Neu-Laboer seit 2014, der nur noch wenig sieht und deshalb einen Stock zu Hilfe nimmt. Während die Gruppe nach möglichen Hürden für Gehbehinderte Ausschau hielt, erklärte Claus die Probleme aus seiner Perspektive. Ebene Flächen und flache Bordsteine, wie Rollstuhlfahrer sie brauchen, weiß auch Claus zu schätzen, denn das verringert die Gefahr, über unerkannte Hindernisse zu stürzen. Er ärgert sich vor allem über die Kombination von „handtuchschmalen Bürgersteigen“ und Autos, die „statt 30 km/h das Doppelte fahren“. Die Bushaltestelle am Hafen bezeichneten alle einhellig als „ganz schlecht“ – das liegt nicht nur an den hohen Bordsteinen, sondern auch daran, dass die langen Gelenkbusse beim Einschwenken den Fußgängern auf dem schmalen Weg gefährlich nahe kommen. Der Haltestellen-Umbau steht allerdings bereits auf der To- Do-Liste – dazu sind Gemeinden inzwischen verpflichtet. Minuspunkte wurden notiert für ungünstig gelegene Behindertenparkplätze am Hafen und vor der offiziellen Tourist Information. Claus meidet diese sonst wegen des unübersichtlichen Hafenbetriebs: „zu gefährlich!“ Er geht am liebsten im Kurpark und auf der Promenade spazieren, „das ist wunderbar“. Und einiges hat sich schon getan in Laboe – so ist bei der Pflasterung im Hafenvorfeld an vielen Stellen auch an Führungen für stark Sehbehinderte gedacht worden, Rillen im Boden, an denen man sich mit dem Stock entlang tasten kann. Claus ist auf diese noch nicht angewiesen, bei noch größerer Einschränkung sei dies aber eine gute Hilfe, fand er. Vor der Schwimmhalle halfen Betreuerinnen vier Rollstuhlfahrern aus einem Transporter. Die Gruppe kam aus dem Henriettenstift in Hannover. In Wendtorf fanden sie ein passendes Quartier. Bisher hatten sie mit ihren Ausflügen gute Erfahrungen gemacht: „Alle Menschen sind sehr freundlich und hilfsbereit“, so Begleiterin Silvia Busche. Ein Problem allerdings: „Wenn das Wetter mal schlechter wird, gibt es kaum Möglichkeiten, sich mit der Gruppe unterzustellen“. Auch seien die Lokale nicht darauf eingestellt, wenn mehr als ein Rollstuhlfahrer komme. Und es gebe zu wenig abgesenkte Bordsteine. Das hatte der Arbeitskreis da bereits vermerkt. Minuspunkte gab es auch dafür, dass weder die Toiletten in der alten Lesehalle noch die am Strand von Menschen im Rollstuhl genutzt werden können. Zumindest die öffentlichen und häufig genutzten Gebäude sollten barrierefrei sein – das haben sich der Arbeitskreis und der Ausschussvorsitzende vorgenommen. Deshalb schaute die Gruppe bei Bücherei und Volkshochschule vorbei. Dort gibt es eine nagelneue Rampe. „Dann ist man in der Bücherei. Aber nach oben in die VHS kommt man nicht“, so Kuhn. Das Rathaus mussten sie gar nicht erst besichtigen – jeder weiß: Dort hinein kommt man als Rollstuhlfahrer praktisch gar nicht. Von Andrea Seliger

Quelle: Kieler Nachrichten

 

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