Rost nagt am Laboer Hafen

Blick auf die Südmole: Wegen starker Durchrostungen liegt die Tragfähigkeit der Spundwand hier nur noch bei 45 Prozent.

 

Laboe. Nachdem der Gewerbehafen in Laboe 2014 auf Vordermann gebracht wurde, stehen für die Gemeinde jetzt erneut dringende Sanierungsarbeiten im Hafen an: Die Statik der Südmole, des Sportboothafens und des Bunkerkais ist wegen großflächiger Durchrostungen an den Spundwänden angegriffen.

Der Werkausschuss beschäftigte sich in seiner jüngsten Sitzung mit diesem Thema, zu dem Thees Thiel vom Ingenieurbüro ITT Port Consult aus Laboe berichtete. „Wir haben es hier mit einer Hafenanlage zu tun, die Jahrzehnte auf der Uhr hat“, betonte Thiel. Bei allen empfohlenen Maßnahmen handele es sich daher nicht um einfache Schönheitsreparaturen, sondern um statisch konstruktive Notwendigkeiten.

Tauchuntersuchungen der Firma Unterwasserkrause hatten Durchrostungen im Wasserwechselbereich von einer Größe bis zu 70 mal 20 Zentimetern an der Südmole nachgewiesen. Doch was eigentlich ein Mangel ist, rettet bei einem hohen Wasserdruck die Standhaftigkeit der über 300 Meter langen Spundwand an der Südmole: „Weil die Wand Löcher hat, in denen das Wasser durchfließen kann, ist sie nicht einsturzgefährdet“, erklärte Thees Thiel. Die Tragfähigkeit der Südmole, an der auch der Seenotrettungskreuzer „Berlin“ der DGzRS beheimatet ist, reduziert sich nach ersten Schätzungen des Planers auf etwa 45 Prozent. Er empfahl daher, die Detailuntersuchungen zur Resttragfähigkeit der Mole schnellstmöglich umzusetzen. „Wir haben ein hohes Risiko, da wir nicht wissen, wo die Hohlräume sind und wann wo etwas versagt.“

Auf eine Frage aus dem Publikum, ob die Südmole überhaupt noch sicher mit Fahrzeugen befahren werden könne, antwortete der Fachmann, dass dies nicht über die nächsten fünf Jahre zu garantieren sei. „Auf Rissbilder in der Oberfläche sollten Sie achten.“

Auch die 160 Meter lange Spundwand im Sportboothafen bereitete dem Fachmann wegen „massiver Durchrostungen“ im Unterwasserbereich Sorgen: „Soweit ich weiß, wird die Kaimauer als Feuerwehr-Rettungsweg genutzt.“ Die Statik funktioniere nur eingeschränkt, langfristig sei mit Versackungen zu rechnen. Etwas weniger dringend sei die Sanierung des Bunkerkais. Dort sei noch genügend Tragfähigkeit für die nächsten zwei bis drei Jahre vorhanden. „Doch je länger Sie warten, desto teurer wird es“, erklärte Thees Thiel. Zu den genauen Kosten wollte er sich angesichts ausstehender Detailuntersuchungen nicht äußern.

„Nichts zu tun, ist jetzt der falsche Weg“, fasste es Ausschussvorsitzender Marc Wenzel von den Grünen Aktiven Laboe (GAL) zusammen. Einstimmig empfahlen die Ausschussmitglieder daher der Gemeindevertretung, die Werkleitung mit der Einleitung von Maßnahmen entsprechend dem Untersuchungsbericht zu beauftragen. Als nächster Schritt müssten die planerischen Arbeiten für ein detailliertes Leistungsverzeichnis und eine Kostenschätzung vergeben werden. Bereits planerisch umgesetzt werden der Bunkersteg und der sogenannte „L-Steg“ im Laboer Hafen. Von Nadine Schättler Quelle: Kieler Nachrichten

 

 

 

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