Volle Fahrt voraus für die "Berlin"

Die "Berlin" in voller Fahrt auf der Kieler Förde. Foto DGzRS

 

LABOE. Vormann Michael Müller war sehr skeptisch, doch inzwischen ist er überzeugt vom geschlossenen Fahrstand: „Man hat echt guten Rundumblick.“ Wenn der nicht reicht, kann er diverse Kameras dazu schalten. Seit zwei Wochen ist die neue „Berlin“ in Laboe, Sonnabend wird sie offiziell in Dienst gestellt. Gestochen scharf sind die Bilder, die mehrere Kameras auf den Bildschirm im Fahrstand des Seenotrettungskreuzers bringen. Zusätzlich steht der Crew jetzt auch eine Wärmebildkamera zur Verfügung, mit der es wesentlich leichter wird, Menschen zu orten. Diese Kamera hängt weit oben und ist so eingestellt, dass ihr Bild vom Seegang nicht beeinflusst wird. Die Wärmebildkamera ist nur eine von vielen Neuerungen an Bord der neuen „Berlin“. Seit der Taufe im Dezember in Bremen lernt die Crew den Umgang mit dem neuen Schiff. Müller war damit schon in der Nordsee, auf der Weser und auch bei der Verlegung nach Laboe an Bord. Als die neue „Berlin“ am 15. Januar in Laboe eintraf, war die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) ziemlich überrascht von dem Empfang durch viele Laboer, die Feuerwehr und den Shanty- Chor Ole Shippn. „Soweit alles normal, kleine Sachen sind immer“, meint Müller zwei Wochen später. „Vieles haben wir selbst eingestellt und nachjustiert“, erklärt der Vormann. Anfangs rutschte das Tochterboot „Steppke“ noch nicht so ins Wasser wie es sollte, doch: „Das waren ein paar Feineinstellungen. Das haben wir selbst gemacht.“ Ein paar Kleinigkeiten müssten die Mechaniker aber auch noch erledigen. „Wir fahren jeden Tag, um zu trainieren“, betont Müller. Dabei war die „Berlin“ auch schon mehrfach in voller Fahrt unterwegs. Die alte „Berlin“ schaffte 23 Knoten. Die neue beschleunige sehr viel schneller, erzählt Müller: „Wir sind jetzt auf 25 gekommen.“ Das sind immerhin 45 Kilometer pro Stunde. Die Voraussetzung für die schnelle Fahrt ist Sache von Maschinist Peter Klink. Der hat sich rasch auf die moderne Technik eingestellt: „Im Prinzip ist das eigentlich dasselbe.“ Allerdings wird der Motor jetzt nur noch per Knopfdruck gestartet: „Was dann im Hintergrund abläuft, mussten wir früher selber machen“, erklärt Klink. Schon vor der offiziellen Indienststellung hatte der neue Seenotrettungskreuzer, wie berichtet, ihren ersten Einsatz. Am 18. Januar brachte sie eine Notärztin an Bord eines Frachters, um einem schwer erkrankten Seemann zu helfen. 

Offiziell in Dienst gestellt wird die „Berlin“ am kommenden Sonnabend, 4. Februar. Dazu lädt die DGzRS ab 11 Uhr alle Freunde und Förderer der Seenotretter ein. Erwartet werden auch viele Gäste, darunter Partner auf und über See, Vertreter von Behörden, Vereinen und Verbänden sowie der Politik. Beim „Open Ship“ ist die „Berlin“ zu besichtigen. Auch das Informationszentrum der Seenotretter im Laboer Hafen ist geöffnet. Und natürlich singt wieder der Shanty-Chor Ole Shippn. 

4000 PS stark und 24 Knoten schnell 

Der neue Seenotrettungskreuzer „Berlin“ ersetzt seinen 32 Jahre alten Vorgänger gleichen Namens. Das Schiff wurde – wie die gesamte Arbeit der Seenotretter – ausschließlich durch freiwillige Zuwendungen finanziert. Die neue „Berlin“ ist 28 Meter lang, 6,20 Meter breit, fast 4000 PS stark und offiziell 24 Knoten schnell. Zu den besonderen Merkmale der rund um die Uhr mit vier Seenotrettern besetzten „Berlin“ gehören eine umfassende Ausrüstung zur medizinischen Erstversorgung an Bord, eine Feuerlöschpumpe mit ferngelenktem Monitor zur Bekämpfung von Bränden auf See und die Fähigkeit, sich im Falle des Durchkenterns innerhalb weniger Sekunden selbst wieder aufzurichten. In der Heckwanne führt sie das gut acht Meter lange Tochterboot „Steppke“ mit sich. Laboe ist die einsatzreichste Station der Seenotretter mit jährlich 130 bis 150 Alarmierungen. Von Thomas Christiansen 

Quelle: Kieler Nachrichten

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