Der Stellvertreter mag nicht mehr

Hilka Ebel und Mirko Schramm wurden von Wehrführer Kurt Jahn (rechts) und seinem Stellvertreter Volker Arp (links) zum Brandschutz Ehrenzeichen in Silber für langjährigen aktiven Dienst beglückwunscht

Laboe. „Das Jahr war richtig turbulent“, sagte Wehrführer Kurt Jahn zum Auftakt der Jahresversammlung der Feuerwehr Laboe. Und ebenso endete der Abend, als sein Stellvertreter Volker Arp seinen Rücktritt mit dem Verhalten der Bürgermeisterin begründete. Für seine Nachfolge gab es keine Kandidaten. In drei Monaten muss die Wehr erneut versuchen, einen Nachfolger zu wählen – so lange muss Arp als Ehrenbeamter auf seinem Posten bleiben. Kurz vor Ende der Versammlung hatte Michael Wilkat vom Löschzug Gefahrgut des Kreises Plön in einem Grußwort die Lage so beschrieben: „Ich wünsche mir, dass das Vertrauen zwischen der Feuerwehr Laboe und der Gemeinde bald wieder hergestellt werden kann – sonst werdet ihr wahrscheinlich keinen stellvertretenden Wehrführer finden.“ Wie berichtet, war es im Juni in der Sitzung der Gemeindevertretung zum Eklat gekommen. Nachdem Bürgermeisterin Ulrike Mordhorst auf eine Frage der Feuerwehr nicht eingegangen war, hatten 31 Aktive ihren Austritt aus der Wehr angekündigt. Dazu kam es dann nach Gesprächen zwar nicht, doch das Verhältnis zwischen Feuerwehr und Gemeinde blieb nach dem Streit um Spendenquittungen und Gebührenerlass angespannt, gegen den stellvertretenden Wehrführer Volker Arp wurde ein Disziplinarverfahren eingeleitet. In seinem „Schlusswort“ bei der Jahresversammlung machte Arp, der zuvor schriftlich um seine Entlassung gebeten hatte, die Bürgermeisterin dafür verantwortlich, dass er nach 35 Jahren überlegt habe, ganz bei der Feuerwehr aufzuhören: „Ich persönlich fühle mich durch die Bürgermeisterin und den Amtsdirektor in den Dreck gezogen.“ Seine kurze Rede, in der er am Ende betonte, er bleibe bei der Feuerwehr, löste bei einigen Gemeindevertretern Empörung aus – die Wehr dagegen erhob sich und spendete Arp lang anhaltenden Beifall. Zuvor hatte Wehrführer Jahn betont, auf Arp habe er sich immer verlassen können. Er könne seinen Rücktrittswunsch gut verstehen: „Hätte man dieses mit mir gemacht, hätte ich mit Sicherheit nicht so viel Ausdauer gehabt und hätte mein Amt viel früher aufgegeben.“ 2016 sei ein Jahr gewesen, das „für die gesamte Feuerwehr kaum noch tragbar gewesen“ sei: „Es hätte nicht viel gefehlt und die Feuerwehr hätte sich aufgelöst.“ Es gebe viele offene Fragen, er warte auf Antworten der Bürgermeisterin, es dauere einfach alles zu lange, meinte Jahn. Der Wehr fehlen nicht nur das Vertrauen in die Gemeinde und ein neuer stellvertretender Wehrführer, sondern auch Mitglieder. Statt 63, wie die Mindestsollstärke verlangt, haben sie nur 49 Aktive, darunter sechs Frauen. Das Durchschnittsalter beträgt 34,6 Jahre. Immerhin vier neue Mitglieder konnten 2016 gewonnen werden. Die Jugendfeuerwehr hat 19 Mitglieder. „Überall fehlt Personal – vor allem tagsüber“, sagte Wehrführer Jahn. Die Wehr versuche immer wieder – unter anderem mit wechselnden Bannern am Feuerwehrhaus – neue Mitglieder zu werben, aber „die Hauptverantwortlichkeit liegt bei der Bürgermeisterin und den Gemeindevertretern“, sagte Jahn. Er wies auch darauf hin, dass es für viele Feuerwehrleute immer schwerer werde, bezahlbare Wohnungen in Laboe zu finden. Die Feuerwehr Laboe rückte im Jahr 2016 zu 49 Einsätzen aus und rettete dabei zehn Menschen aus lebensbedrohlichen Situationen. Für 20 Jahre in der Feuerwehr wurde Nicolai Meller, für 30 Jahre Mirko Schramm geehrt. Das Brandschutz Ehrenzeichen in Silber am Bande für 25 Jahre aktiven Feuerwehrdienst erhielten Hilka Ebel uind Mirko Schramm. Bürgermeisterin Ulrike Mordhorst ging auf den Streit mit der Wehr nicht weiter ein und sagte nur: „Ich bin auch nicht so zufrieden mit dem Jahr 2016.“ Ausführlich dankte sie der Wehr, ohne die vieles in der Gemeinde nicht möglich sei. Sie versprach, dass der Anbau für das Feuerwehrhaus in diesem Jahr begonnen werde und bat um Geduld. Quelle: Kieler Nachrichten

 

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