Bankräuber von Laboe gesteht Überfall

Dramatische Momente im Ostseebad: Nach dem Überfall nahmen Experten der Spurensicherung ihre Arbeit auf.

Laboe/Kiel. Mit sechs bis sieben Jahren Freiheitsstrafe muss nach vorläufiger Einschätzung des Gerichts ein drogenabhängiger Bankräuber rechnen, der am 21. März 2016 die Filiale der Förde Sparkasse in Laboe überfallen hatte. Zum Auftakt seines Prozesses räumte der Angeklagte (24) gestern im Kieler Landgericht den Raub und zahlreiche weitere Straftaten ein. Bewaffnet mit einem schwarzen Schreckschussrevolver hatte der Täter die Filiale an jenem Montag eine halbe Stunde vor Kassenschluss betreten. Mit dem Ruf „Dies ist ein Überfall!“ bedrohte er zwei Mitarbeiterinnen und verlangte Zutritt zum Tresorraum. Als er dort nur Münzgeld vorfand, schubste er eine Angestellte zu Boden und schob sie zurück in die Schalterhalle. Unter der Drohung, er werde sie erschießen, zwingt der Räuber die 33-Jährige zur Eingabe des Zahlencodes einer Geldschublade. Als die Frau ihm mitteilt, der Sicherheitsmechanismus öffne erst nach minutenlanger Verzögerung, schlägt er ihr den Revolver auf den Kopf. Die Zeugin erleidet eine stark blutende Platzwunde, ist drei Wochen dienstunfähig. Bis heute erinnert sie eine Narbe auf der Stirn an den Vorfall. Der Täter flieht mit 2800 Euro Bargeld. Passanten in der Fußgängerzone des Ostseebads glauben an eine versteckte Kamera oder Tatort-Dreharbeiten, als sie den Mann mit gezogener Waffe in Richtung Hafen laufen sehen. Mehrere Personen nehmen beherzt die Verfolgung auf. Mit der Drohung „Verpisst euch, ich knall euch ab!“, hält der Täter sie auf Distanz. Doch abschütteln lassen sich die Zeugen nicht. Zwei Polizeibeamte kommen hinzu, halten sich zunächst außerhalb des möglichen Schussfelds. Dramatisch wird es, als der Flüchtende versucht, ein Auto in seine Gewalt zu bringen. Er hat bereits die Tür eines Pkw geöffnet und dem Beifahrer die Waffe in den Nacken gedrückt. Da startet der Fahrer durch und lässt ihn stehen. In der Hafenstraße bedroht der Täter einen weiteren Autofahrer, hier wird er von den Beamten überwältigt. Vor Gericht kann oder will sich der mehrfach vorbestrafte Angeklagte nicht an den Ablauf dieser Szenen erinnern. Er müsse „völlig abgedreht“ sein, vermutet sein Verteidiger. Fünf Zeugen hat die Strafkammer allein zu diesem Vorfall geladen. Weitere sechs Anklagen sind im Prozess zu verhandeln. So räumte der in Pflegefamilien und Heimen aufgewachsene Mann ein, in einer Augustnacht 2013 in ein Kieler Hotel auf dem Ostufer eingestiegen zu sein. Ein 72-jähriger Gast schreckte aus dem Schlaf, als der Einbrecher sich an seinen Sachen zu schaffen macht, knipste das Licht an und stellte ihn zur Rede. Der Eindringling schlägt dem Senioren die Faust an die Schläfe, versetzt ihm einen zweiten Schlag ins Gesicht. Mit lauten Schreien kann das Opfer ihn vertreiben. Die Anklage zu dieser Gewalttat wartete seit April 2014 bei der zuständigen Kieler Amtsrichterin auf ihre Verhandlung. Inzwischen beging der Täter weitere Verbrechen. Jetzt bearbeitet das Landgericht die Sache gleich mit. Andere in der Folge begangene Taten betreffen Hoteldiebstähle in Lübeck, wo der Angeklagte im Juli und Oktober 2015 mithilfe einer gestohlenen Universalschließkarte reihenweise Zimmer nach Diebesgut durchsuchte. Den Gästen fehlten anschließend Bargeld, EC-Karten, persönliche Papiere, Schlüssel, Handys und Schmuck. Die Wertsachen habe er verkauft, um Geld für Drogen zu bekommen, sagte der Angeklagte. Mit einem Urteil wird kommende Woche gerechnet.
Quelle: Kieler Nachrichten

 

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