Neue „Berlin“ in Bremen getauft

Der neue Rettungskreuzer "Berlin" mit Taufschmuck in Bremen: Das 28 Meter lange Schiff wird künftig auf der Kieler Förde und der westlichen Ostsee im Einsatz sein

Bremen/Laboe. Bald verändert sich das Hafenbild in Laboe: Nach 32 Jahren wird am 15. Januar am Liegeplatz des Seenotrettungskreuzers ein neues Schiff festmachen. Nur der Name bleibt. Am Sonnabend taufte Schauspielerin Meret Becker in Bremen die neue „Berlin“.
Die alte „Berlin“ liegt derweil verlassen in Laboe. Alle neun Besatzungsmitglieder der Station sind seit Tagen in Bremen bei der Erprobung des Neubaus. „Wir haben schon einige Seemeilen mit unserer neuen ,Berlin’ abgerissen. Sie fährt sich toll“, sagt Vormann Michael Müller. Besonders begeistert ist Müller über die Kraft des Neubaus. Die beiden neuen MTU-Motoren aus Friedrichshafen am Bodensee haben mit 4000 PS zusammen fast 600 PS mehr als die drei Motoren seiner alten „Berlin“. Bei den Probefahrten auf der rauen Nordsee hat Müller mit seiner Crew die 4000 PS der beiden Motoren auch schon richtig eingefahren. „Wir haben dabei auch 25 Knoten erreicht“, sagt er lächelnd.
Gerade bei voller Fahrt spürt Müller einen gravierenden Unterschied zur Vorgängerin. Auf dem alten Schiff saß er am Fahrstand im Freien, so dass er Wind und Gischt ins Gesicht bekam. „Das ist jetzt anders. Der neue Fahrstand ist geschlossen. Das ist schon ein Unterschied“, so der erfahrene Seenotretter. Überblick hat er dennoch reichlich. „Die Übersicht ist sehr gut.“ Für die Suche nach Schiffbrüchigen haben die Männer der „Berlin“ noch ein neues Hilfsmittel. „Im Mast ist eine Wärmebildkamera“, sagt Müller. Sie sorgt besonders bei Nacht dafür, dass im Wasser treibende Menschen auch auf größere Entfernungen geortet werden können.
Weil die alte „Berlin“ eine enge Verbundenheit mit der Bundeshauptstadt hatte, wurde schon frühzeitig beschlossen, den Namen auf einen Neubau zu übertragen. Als Taufpatin wurde die Tochter des 2013 verstorbenen Schauspielers und DGzRS-Botschafters Otto Sander ausgewählt. Das Tochterboot taufte die achtjährige Tessa Mielitz aus der Nähe von Hamburg. Sie machte mit ihren Eltern regelmäßig in Laboe Urlaub.
Gebaut wurde die neue „Berlin“ auf der Fassmer Werft, einige Kilometer entfernt vom Stammsitz der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger an der Weser. Der Neubau entstand komplett aus Aluminium. Auch beim Anstrich bleibt alles wie gewohnt. Die Kommandobrücke ist wie beim Vorgängerschiff in Tagesleuchtfarbe angestrichen. „Dafür haben wir auch gekämpft“, so Müller. Zwischenzeitlich gab es Planungen, dass die Schiffe der Seenotretter ein normales Rot als Bemalung bekommen sollten. Die Finanzierung des Neubaus erfolgte komplett über Spenden. „Jeder unserer Förderer im ganzen Land kann mit Recht behaupten, seinen Teil zu dem Neubau beigetragen zu haben“, sagte Gerhard Harder, Vorsitzender der Seenotretter. In diesen Spendentopf kamen auch schon 3800 Euro, die bei der Versteigerung eines der beiden Namensschilder des alten Kreuzers während der Taufe zusammenkamen. Ein Berliner ersteigerte es. Die Zukunft der alten „Berlin“ entscheidet sich in den nächsten Tagen, sie wird derzeit über einen Schiffsmakler zum Verkauf angeboten.
Quelle: Kieler Nachrichten

 

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