Der Weg zum Wasser ist weit

Anbaden in der Ostsee nach dem Saunagang: Das hat für viele Teilnehmer schon Tradition

Laboe. Trotz des kühlen und bedeckten Wetters war Frischluft Trumpf am Neujahrstag. Besonders kühn waren dabei wieder die Teilnehmer des Anbadens in Laboe: Nach einem Saunagang in der Schwimmhalle stürzten sie sich in die fünf Grad kalte Ostsee. 

Von Andrea Seliger 

Bei diesem Event zahlen die Gäste erst am Schluss: „Mal sehen, ob Sie wirklich reingehen“, sagt Schwimmbad- Mitarbeiterin Lydia Bous, als sie gegen Pfand Karten und Schüssel aushändigt. Denn wer sich tatsächlich ins kalte Wasser stürzt, bekommt die Hälfte der Sauna- Gebühr erlassen. Für Uwe Grimmenstein aus Schönkirchen ist das Anbaden, das nun schon zum vierten Mal stattfand, ein Muss: „Man fühlt sich hinterher wie frisch geschlüpft“, verspricht er. Schließlich trinke und schwitze man beim Saunagang viel. Deshalb sei das ideal nach einer Silvesterparty. Und am Neujahrstag in die Ostsee zu gehen, sei eben etwas Besonderes. Wie Grimmenstein sind viele Teilnehmer schon Stammgäste. Zum ersten Mal dabei sind Neu-Laboerin Kristin Sötje und ihre Mutter Susanne Sötje, die dafür extra aus Gettorf angereist ist. Beide sind fest entschlossen, tatsächlich ins Meer zu gehen, auch wenn Kristin Sötje die vergangenen zwei Jahre in der Karibik verbracht hat – dank eines Jobs auf einem Kreuzfahrtschiff. „Das ist genau das Richtige zum Anfang des Jahres“, meint Kristin Sötje. Dass man sich nach einem Saunagang abkühlt, ist ja grundsätzlich nichts Besonderes. Die Tücke steckt im Detail: „Der Weg bis zum Wasser ist immer so weit“, sagt Uwe Grimmenstein. Zwar dürfen die Anbader den Hinterausgang der Schwimmhalle nutzen, der direkt zum Strand führt. Doch bis zur Ostsee sind es mindestens 50 Meter – und dann ist das Meer lange nur knöcheltief. „Die kalten Füße“ findet Petra Grünwald aus Wendtorf deshalb auch das Härteste an der Aktion. Der starke Südwestwind am Neujahrstag, der auch zahlreiche Kitesurfer anlockte, drückte das Wasser zusätzlich aus der Förde. Wahre Fans dieser Veranstaltung lassen sich von solchen Hindernissen natürlich nicht aufhalten. Als besonderen Bonus bietet die Schwimmhalle nach dem Bad heißen (alkoholfreien) Punsch an. Um 14.20 Uhr macht Lydia Bous den „Eisbeeren“-Aufguss in der gut besuchten 90- Grad-Blockhaus-Sauna. Zehn Minuten später beginnt das Ereignis, auf das am Strand schon zahlreiche Schaulustige warten: Mit Weihnachtsmann-Zipfelmützen auf dem Kopf stürmen die frisch aufgeheizten Anbader den Strand, teils in Badezeug, teils mit Handtuch über dem Adamskostüm. Und stürzen sich, so gut das bei Flachwasser eben geht, ins Meer. „Es ist genial“, sagt Kristin Sötje anschließend lachend. Und Petra Grünwald stellt fest: „Der Kater ist weg.“ Man könnte sich jetzt auch wieder in die Sauna setzen, doch das ist erst einmal gar nicht nötig: Die Durchblutung ist bei allen sichtbar gut in Gang gekommen. „Der Körper ist jetzt ganz warm“, so Uwe Grimmenstein. 

 

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