Engagement bis ins hohe Alter

Ihre Stickerei will sich Elisabeth Groneberg auch mit 100 Jahren nicht nehmen lassen

Laboe. Wer ihr gegenübersitzt und mit ihr über Stickereien, die Laboer Ortspolitik oder ihre Schüler von damals spricht, vermag es kaum zu glauben: Elisabeth Groneberg aus Laboe feiert heute ihren 100. Geburtstag und erfreut sich gemeinsam mit ihrem Ehemann Erich bester Gesundheit.
Ihr Tipp zum gesunden Altwerden: Immer aktiv bleiben. Sie sitzt auf der Couch in ihrem Haus im Katzbek, die Handarbeitslampe über dem Tisch, die Stickerei griffbereit. Überall in der Wohnung hängen und stehen ihre Handarbeiten: Teddybären, Glasobjekte und Bilder mit feinstem Stich gestaltet – jedes für sich ein Kunstwerk. Bis heute gibt die pensionierte Grundschullehrerin an der Volkshochschule Handarbeitskurse. „Wenn du nicht mehr kommen kannst, holen wir dich“, hatten ihre Schützlinge schon gesagt. Denn keiner möchte den wöchentlichen Kursus mit ihr missen. Ihre Augen sind noch scharf wie die eines Adlers. „Wenn das Gehen nur etwas besser wäre“, sagt die hochgewachsene charismatische Frau mit der kräftigen Stimme. Elisabeth Groneberg hat zwar kein Rezept, wie jemand in bester Verfassung 100 Jahre alt werden kann, aber es könnte auch an den Genen liegen, vermutet die Jubilarin. Denn schon ihre Eltern seien fast 90 Jahre alt geworden – außergewöhnlich für die damalige Zeit.  Die Seniorin wurde in Memeln geboren, ein halbes Jahr machte ihre Familie in der Schweiz Station, bevor sie ihren Lebensmittelpunkt in Münster fand. Eine Stadt, die sie heute noch verehrt, wie sie sagt. Lehrerin wollte sie eigentlich nicht werden. „Ich wollte Medizin studieren“, erzählt sie. Doch das habe die Hitlersche „Frauen-an-den-Herd-Politik“ verhindert. So wurde sie Kindergärtnerin, arbeitete in Hannover und übernahm eine Kita in Kiel. Schließlich wurde sie Heimleiterin und verlor 1943 nach einem Bombenangriff ihre Wohnung in Kitzeberg.  In einer Bodenkammer in Passade begann ihr Leben neu. Sie kam nach Kriegsende nach Schönberg, wurde Hilfslehrerin an der Realschule, machte ihre Lehrerprüfung und kam 1951 nach Laboe. Dort lernte sie Erich Groneberg kennen, mit dem sie heute über 61 Jahre verheiratet ist. 1970 wurde sie Konrektorin, bevor sie 1977 pensioniert wurde. „Wenn ich heute durch den Ort gehe, treffe ich überall auf ehemalige Schüler, bei manchen hatte ich schon die Eltern im Unterricht“, erzählt die rüstige Dame. Sie gründete die VHS in Laboe mit und hob damals die Laboer Wählergemeinschaft mit aus der Taufe. Ihr Engagement gilt heute noch dem Verein zum Erhalt des Kurparks. Sie könne zwar nicht mehr hacken, harken und fegen, aber kochen. Und so spendiert sie den Helfern, die sich jeden ersten Sonnabend im Monat im Kurpark zum Arbeiten treffen, einen leckeren Nachtisch. Sie gönnt sich inzwischen zwar einmal in der Woche eine Haushaltshilfe, aber den Spaß am Puzzeln im eigenen Garten lässt sie sich bis heute nicht nehmen.  
Quelle: Kieler Nachrichten

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