Entdeckungstour zu den Wintergästen

Eine von Peter Borkenhagen und seinem Sohn Kai geführte Exkursion nahm die Vogelwelt in den Blick. Foto Thomas Christiansen

 

LABOE/STEIN. Kalt ist es, doch das ist relativ – suchen wir doch gerade nach jenen Wintergästen, die jetzt hier sind, weil es hier eben nicht so kalt ist wie im echten Norden. Peter Borkenhagen zeigt uns, was jetzt auf Sandbänken und im Wasser unterwegs ist. Wir sehen Eiderenten, Haubentaucher und Sanderlinge. „Wir wollen zu den Windwatten vor Neustein“, sagt Borkenhagen zu der kleinen Gruppe, die trotz des trüben und kalten Wetters nach Laboe gekommen ist. Doch zunächst erklärt der Biologe aus Probsteierhagen, der bis vor wenigen Tagen auch Vorsitzender des Nabu Kiel war, hier am Eingang des Naturerlebnisraums Dünenlandschaft Laboe dessen Vorgeschichte: „Das war früher ein Campingplatz.“ Als der an dieser Stelle nicht mehr zugelassen wurde, sollte ein neuer am Hang der Hagener Au entstehen, doch das konnten Naturschützer verhindern, erzählt Borkenhagen. Heute ist die Hagener Au als FFH-Gebiet geschützt, viele Flächen sind im Besitz der Stiftung Naturschutz. „Da sehen wir eine Saatkrähe bei der Arbeit“, weist Borkenhagen auf die erste Sichtung hin. „Wir hören einen Austernfischer – nein, das ist ein Brachvogel.“ Als wir auf die Lagune am Ende des Naturerlebnisraums schauen können, weist er auf die Färbung der Sände hin – der helle Sand wandert, „und ab und zu guckt da eine Sandbank aus dem Wasser“. Er zeigt uns Blässhühner, Silber- und Lachmöwen und erklärt: „Die dunklen Gestalten da hinten sind Brachvögel, ihr Trillern haben wir schon gehört.“ Auch Austernfischer sind da, Stockenten und weiter hinten Eiderenten. „Das war es hier, keine Sensationen“, meint Borkenhagen und führt uns weiter zur Steilküste in Stein. Das, meint Borkenhagen, ist nicht nur ein guter Platz zum Beobachten von Vögeln, sondern auch, um hier am toten und später am noch aktiven Kliff die Küstendynamik zu verfolgen. Vor dem Kliff zeigt er auf Sturmmöwen, Höckerschwäne und Schnatterenten, die zumindest durch sein Spektiv gut zu erkennen sind. Auch Eiderenten und Mantelmöwen sind zu sehen, dennoch ist Borkenhagen enttäuscht: „Die Artenfülle ist im Moment überschaubar.“ Hier ist auch oft ein Seehund zu beobachten, sagt Borkenhagen, doch heute wird nur ein Hund, der ins Wasser läuft, zum „See- Hund“. Dann entdeckt Borkenhagen auch Kormorane und Brandenten und mit Haubentauchern nach den Eiderenten auch endlich weitere Wintergäste. „Haubentaucher sind oft im Winter auf der Ostsee. Das sind vermutlich skandinavische, die hier überwintern und sich jetzt schon wieder für den Rückflug sammeln“, erklärt Borkenhagens Sohn Kai, der als Biologe am Forschungs- und Technologiezentrum Westküste (FTZ) in Büsum arbeitet. Dann meint jemand, im Fernglas eine Eisente gesehen zu haben, doch mit dem Spektiv ist sie nicht zu finden. Eiderenten sind die häufigsten Meeresenten. An der schleswig-holsteinischen Ostseeküste überwintern mehr als 100 000 von ihnen. Den ganzen Winter verbringen sie auf dem Meer und tauchen nach Muscheln. Viele Eiderenten verenden aber in Stellnetzen. Außer Eiderenten, Haubentauchern und Eisenten sind auch Trauerenten, Alpenstrandläufer und Sanderlinge typische Wintergäste – doch heute sehen wir sie nicht. Stattdessen weist Borkenhagen auf dem Rückweg auf das „tüchtige Badeleben“ der Möwen vor der Mündung der Hagener Au hin: „Die schätzen das Süßwasser, um ihr Gefieder vom Salzwasser zu reinigen.“ Und an der Außenseite des Naturerlebnisraums ist er dann doch noch zu sehen – der Sanderling, ein Wintergast aus der Hocharktis. Von Thomas Christiansen

Quelle: Kieler Nachrichten

 

Zurück