Freiheit und Fitness zum Jahresbeginn

Die erste Gruppe der Saunagäste läuft in die acht Grad kalte Ostsee. Über 150 Zuschauer am Ufer jubeln ihnen zu

Laboe/Stolpe. Der Kontrast könnte kaum größer sein. Dick verpackt in Wintersachen stehen über 150 Menschen am Strand, während 25 andere – zumeist wie Gott sie schuf – in die acht Grad kalte Ostsee hüpfen. Das Anbaden vor dem Meerwasserschwimmbad in Laboe erreicht in seinem fünften Jahr Kultstatus.
Siegfried Klewer ist mit 76 Jahren einer der ältesten Teilnehmer, die das neue Jahr mit einer gesunden Abkühlung beginnen. Der Dortmunder, der bei einem Freund in Laboe Urlaub macht, ist sich schon an der Kasse ganz sicher, den Sprung ist kalte Nass zu wagen. Er gehe ins Wasser, „wenn ich heiß geworden bin“. Das Laboer Anbaden ist nämlich verbunden mit einem vorherigen Saunagang im Schwimmbad. Auf 90 Grad treibt die Angestellte Lydia Bous die Blockbohlensauna hoch. Mit einem Intensiv-Aufguss mit Holunderduft lässt sie die zahlreichen Gäste noch einmal so richtig schwitzen, bevor es ins Wasser geht. Jeder der Wagemutigen erhält vorher noch eine Weihnachtsmütze aufgesetzt, was vor der Ostseekälte aber nicht wirklich schützt. Klewer, der sich im Radfahren fit hält und in Dortmund jede Woche in die Sauna geht, zuckt mit keiner Wimper, als er ins Wasser geht. Wieder an Land sind seine Antworten allerdings kurz. Wie es denn war? „Kalt.“ Und wie man sich jetzt fühle? „Sauber“. Er lobt Laboe, das mehr als nur Meer könne. Klewer warnt davor, das Schwimmbad zu schließen, wie es die Politik gerne möchte. Die Schließungspläne haben sich offenbar bis Dortmund herumgesprochen. Auch für Michael Hinz (49) aus Heikendorf ist der Sprung in die kalte Ostsee Routine. Seit Jahren kommt er zum Anbaden nach Laboe und freut sich, dass Neujahr 2016 so viele Zuschauer Interesse gefunden haben. Der trainierte Marathonläufer genießt es, wenn dabei gerade Schiffe vorbeiziehen. Wenige Minuten vor dem Anbaden schiebt sich die „Color Magic“ aus der Kieler Förde heraus. Hinz sieht in der Aktion für sich „Freiheit und Fitness“. Auch er besucht das ganze Jahr über die Sauna und ist die abrupte Umstellung von heiß auf kalt gewöhnt. „Fantastisch“ ist sein erstes Wort nach der Rückkehr an den Strand bei einer Lufttemperatur von vier Grad. Lydia Bous hält für ihre Badegäste ein kleines Geschenk parat. Wer wirklich das Jahr mit einem Sprung in die Ostsee beginnt, zahlt an diesem Tag nur die Hälfte Eintritt. Auch in Stolpe beginnt das neue Jahr mit einem Kalt-Bad im Stolper See. Dieses Mal wagten sich nur acht Bürger in das sechs Grad kalte Wasser. 20 Gäste schauten ihnen dabei zu – und blieben lieber warm angezogen auf der Festwiese stehen. hjs
Quelle: Kieler Nachrichten  

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