CDU lud zum gut besuchten Bürgergespräch mit Experten ein

Anschauung am Strand von Laboe. Kristian Dittmann (re.) erklärt die Nutzbarmachung des Materials. Hans-Helmut Lucht, mit Arbeitsgerät, und links daneben Heiner Rickers lauschen wie alle Teilnehmer den Worten des Meeresbiologen. Fotos Schwalm

 

Laboe (alm) Ein umweltpolitisches Bürgergespräch hat in der „Strandklause“ in Laboe für eine lebhafte Diskussion gesorgt. Kein Wunder, lautete das Thema doch: „Seegras als Rohstoff – Chance für Alle“. Nach einer kurzen Strandbegehung ging es im Restaurant mit 42 Zuhörern, betroffenen Bürgern und interessierten Insidern über zwei Stunden teilweise kontrovers zu. Eingeladen dazu hatte der CDU-Ortsverband Laboe-Brodersdorf.

Geschickt führte Hans-Helmut Lucht (CDU-Ortsvorstand) durch den Nachmittag. Hochkarätig besetzt war das Podium. Hauptredner war der Meeresbiologe Kristian Dittmann. Als weitere Teilnehmer waren Klaus Vonderlage (Mitarbeiter der Unteren Naturschutzbehörde vom Kreis Plön), Claus Heller (Präsident der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein), Dr. Regine Niedermeier-Lange (Diplom- Geologin und Kreistagsabgeordnete) und Heiner Rickers (Mitglied des Schleswig- Holsteinischen Landtages) dabei. Aber warum wurde das Thema so kontrovers diskutiert? Dazu vorab eine kurze Einordung von Treibsel und Seegras. Die Anlandung von organischem Strandmaterial (Treibsel) an den Stränden Schleswig- Holsteins ist ein Anstoß für viele Gäste. Es stinkt und stört im und am Wasser – so die häufigsten Antworten. Viele Gemeinden sind daher aufgefordert, ihre Strände zu reinigen. Die vorschriftsmäßige Entsorgung des Materials ist allerdings mit hohen Kosten verbunden. Der wertvolle Bestandteil am Treibsel ist jedoch das Seegras. Die Möglichkeiten des Rohstoffes erkannte Kristian Dittmann bei einem Spaziergang am Spülsaum am Strand bei Flensburg. Das Material verpackte er in einer Kiste und wusch das Seegras in der Badewanne heraus. Anschließend legte er es auf Zeitungspapier und breite dieses auf der Heizung aus. Nach drei Tagen war das Seegras trocken. „Dies war der Start in die Strand-Manufaktur“, berichtet der Meeresbiologe und ergänzt: „Wir gewinnen Seegras in der Schleimündung als Stopfwolle für Kissen und Matratzen.“ Der Vorteil gegenüber anderen Füllstoffen sind für ihn klar: „Sie sind milbenfrei und schimmelfrei. Sie bieten mehr Volumen. Weniger schwitzen ist eine Folge“, sagt er. Seit 2013 betreibt er nun den ökologischen Handwerksbetrieb. Mehr dazu im Internet unter www.strand-manufaktur.de. „Seegras ist im Naturzustand ein Juwel“, betont der Unternehmer aus Schwackendorf bei Kappeln. Zudem sieht er einen guten Einsatz von Treibsel als Dünger. Für ihn gilt: Seegras ist ein Rohstoff und die Ernte von Treibsel ist grundsätzlich erlaubt. Jedenfalls in kleinen Mengen – größere Mengen sollten mit dem Bauhof der jeweiligen Gemeinde abgesprochen werden. So steht es jedenfalls in einem von Dittmann verfassten und umfangreichen Leitfaden zum Umgang mit Treibsel an der deutschen Ostseeküste. Klaus Vonderlage von der Unteren Naturschutzbehörde (UNB) der Kreisverwaltung Plön weist derweil auf die Gesetzesgrundlage von 2001 hin. „Treibsal ist als Abfall zu behandeln“, unterstreicht der Diplom-Ingenieur. „Für die Strandnutzung haben die Gemeinden zu sorgen und von April bis September ist nun einmal Badesaison. Da müssen die Strände sauber sein.“ Aber auch er sieht Seegras als ein Rohstoff. Und diesen sollte man nutzen. Ein Blick nach Schönberg. Dazu erklärt Vonderlage: Bevor die Urlaubsgäste an den Strand kommen wird das Treibmaterial in den frühen Morgenstunden an die Kläranlage in Schönberg gebracht. Das Zwischenlager wurde extra für diesen Zweck errichtet. Dort wird das Treibsel abgelagert, bevor es auf Belastungen untersucht wird. Dann wird es zumeist auf landwirtschaftlichen Flächen verteilt. Ein Fazit nach der Veranstaltung in Laboe zog derweil Hans-Helmut Lucht: „Man muss das Abfallgesetz ändern und den Treibselerlass anpassen, damit mehr Rechtsicherheit für die Nutzer gegeben ist. Eine Differenzierung ist notwendig, da es etwas ausmacht, ob wir 20, 30 oder 300 Tonnen Treibsel lagern müssen".

Quelle: Probsteier Herold

 

 

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