Ausschusssitzung mit Unterhaltungswert

Einen Zebrastreifen in einer 30er-Zonedürfte es eigentlich nicht geben - es gibt ihn aber in der Laboer Dorfstraße. Wie es dazu kam? Das wusste im Bauausschuss keiner so genau. Foto Stoltenberg

 

Laboe (pst) „Vieles lässt sich leichter ertragen, wenn man darüber mal lachen kann.“ Dieses von Achim Schuldt entliehene Zitat lässt sich auf so manche kommunalpolitische Sitzung im Ostseebad übertragen. In der Sitzung des Laboer Bauausschusses wäre wesentlich weniger Zeitaufwand nötig gewesen, um die wenigen Tagesordnungspunkte abzuarbeiten. Aber dann wäre auch der Unterhaltungswert geschmälert worden. Schließlich ging es um so heftig diskutierte Themen wie das Baugebiet „Hinter der Kirche“ und weitere Parkmöglichkeiten im Ortsbereich. Aber Laboes Kommunalpolitiker schafften es auch bei dieser Sitzung wieder, überraschende Fragen aufzuwerfen, etwa die danach, ob man „etwas beschließen müsste, nur um überhaupt etwas zu beschließen?“ Aber erst einmal hatten die Einwohner das Wort, wobei interessante Fragen gestellt wurden. Eine Laboerin machte sich Sorgen um die auf Rollatoren angewiesenen Bewohner des Grammerstorf’schen Hofes. Denn nicht nur das Herbstlaub auf den Wegen würde deren Vorankommen erheblich behindern, sondern auch die „Nebenwirkungen“ der Baustelle der „Ostseeresidenz“. Ihr Vorschlag: Man könne doch zusätzliche Zebrastreifen auf der Dorfstraße im Bereich Arztpraxis oder am Dellenberg gegenüber des Sky-Marktes und im Steiner Weg anlegen, um den Rollator-Nutzern die Angst vor der Straßenquerung zu nehmen. Das Problem, so Walter Kreft: „In Tempo-30-Zonen darf es generell keine Zebrastreifen geben.“ Nun wissen nicht nur Grundschüler, dass es in der Dorfstraße und damit in einer Tempo-30-Zone schon seit einigen Jahrzehnten einen Zebrastreifen gibt. Wie der da hin gekommen ist – das konnte auch kein Ausschussmitglied so richtig erklären. Detlef Boje wollte, stellvertretend für OSL, wissen, wer sich um den Erhalt des Hafenpavillons inklusive altem Rettungsschuppen kümmern müsse. Immerhin seien in der vergangenen Zeit Schäden, etwa an den Dachrinnen, entstanden. Der Hafenpavillon steht schon seit langer Zeit unter Denkmalschutz. Dem genüge zu tragen ist Sache des Eigentümers und damit der Gemeinde. Ulrike Mordhorst sicherte zu, sich um die Angelegenheit zu kümmern. Ein anderer Einwohner beschwerte sich darüber, dass relativ kurzer Zeit nach der Instandsetzung der Mühlenstraße dieselbe wieder aufgebrochen worden sei. Hierzu erklärte Mordhorst, dass die Maßnahme nötig wurde, um für ein privates Bauvorhaben eine Gasleitung einzurichten. Ihre Mitteilungen nutzte Laboes Bürgermeisterin, um ein von Anfang an zum Scheitern verurteiltes Bauvorhaben namens „B-Plan 10 c“ zu erläutern. Nach verschiedenen öffentlichen Auslegungen musste der „Vorhabenträger Konkurs anmelden“. Zu all den Problemen gesellten sich noch festgestellte Mängel – und dann verstarb auch noch der Planer. Ulrich Schäfer (GAL), der seine Nachfrage nochmal vertiefen wollte, stellte schließlich fest, dass, „ich immer wieder überrascht über unser Laboe bin.“ Die guten Nachrichten: Das Freya-Frahm-Haus geht seinem dritten Bauabschnitt entgegen. Der Auftrag wurde vergeben. Und die VHS-Außenfassade sowie die Regenrinnen sollen saniert werden. Eigentlich einig waren sich die Fraktionen darüber, dass das Bauvorhaben „Hinter der Kirche“ in keiner Weise von der Gemeinde mitfinanziert wird und dass es im Moment eigentlich gar kein konkretes Bauvorhaben gibt, weil der Investor noch nicht mal als klarer Investor feststeht. Der hat lediglich einen Kostenvoranschlag eingefordert, um vielleicht ein Verkehrsgutachten zu finanzieren. Aber derzeit steht der Investor oder nicht noch in Verhandlung mit den drei Grundstückseignern und so gilt auch zum gegenwärtigen Zeitpunkt: Nichts Genaues weiß man nicht. Ulrich Schäfer (GAL) sah die Kommunalpolitik angesichts der völlig ungeklärten Situation als „überfordert“ an, irgendwelche Beschlüsse zu fassen. In die ähnliche Kerbe schlugen auch die Vertreter anderer Fraktionen. Wobei die LWG noch einmal betonte, dass sie von vorneherein gegen eine zweite Zufahrt über die Teichstraße war, obwohl es noch nicht mal ein Verkehrsgutachten gibt. Ein zusätzliches Gutachten wird auch nicht akzeptiert, sollte es aus Gemeindemitteln finanziert werden. Da war man sich dann auch einig. Schwierig und wortreich gestaltete sich die Frage danach, welchen Beschluss man nun fassen solle. Denn ist die Planung erstmal auf dem Weg, gibt das Bauleitverfahren die weiteren Schritte vor. Ohne Beschlussfassung wollte der Vorsitzende dann aber nicht zum nächsten Tagesordnungspunkt übergehen. Weshalb ein anderer Gemeindevertreter die Frage stellte, ob man „etwas beschließen müsse, nur um etwas zu beschließen?“ Ja, Laboes Kommunalpolitiker sind daran interessiert, dass alles mit rechten Dingen zugeht, auch wenn die Zielführung von verbalen Umwegen begleitet wird. So wollte der Vorsitzende wissen, was man denn unter „Controlling und Gwährleistungsansprüchen“ zu verstehen habe. Kurz gesagt: Hätte man die Straßenarbeiten an der Kreuzung Dellenberg/ Hafenstraße vor Ablaufen der Gewährleistungsfrist von Fachleuten kontrolliert, hätte es womöglich kein Folgeproblem gegeben. Denn während der Straßenbelag vorher von zu schweren Fahrzeugen beschädigt worden war, wurde er erneuert, ohne vorher zu „controllen“. Die Folge: es musste nachgebessert werden, weil die KVG sich darüber beschwerte, dass die neu entstandenen „Hubbel“ ihre Busse beschädigen könnten. Apropos Controlling: Das empfiehlt sich auch beim Arbeitskreis zur möglichen Einrichtung weiterer Parkplätze in Laboe. Dabei geht es nicht darum, neue Parkflächen einzurichten, sondern bestehende effizient zu überplanen. Der Arbeitskreis tagte bisher allerdings nur ein Mal aufgrund von Terminproblemen. Außerdem war Niemand bereit, den Vorsitz zu übernehmen. Walter Kreft als zumindest ein bekanntes Mitglied des Arbeitskreises, sagte: „Der Arbeitskreis besteht bisher eigentlich nur aus einigen Menschen, die ihre Meinungen äußerten.“ Was ja an sich nicht schlecht ist, aber vom eigentlichen Ziel ist man noch Meilen entfernt. 

Quelle: Probsteier Herold

 

Zurück