Seit 100 Tagen hat das Laboer DRK einen neuen Vorstand – Zeit für eine vorläufige Bilanz:

Freuen sich über die ersten gelungenen 100 Tage (von links): Elke Kohsiek, DRK-Vorsitzender Jan-Hendrik Köhler-Arp und Margit Walla. Foto Stoltenberg

Laboe – 100 Tage ist der neue Vorstand des Laboer DRK jetzt im Amt und hat in dieser vergleichbar kurzen Zeit schon viel geleistet. Vergessen sind die Zeiten, als das Deutsche Rote Kreuz lediglich als Opfer eines inzwischen inhaftierten Laboer Steuerberaters in die Schlagzeilen geriet. Der Verlust wurde zuletzt durch die zuständige Versicherung ausgeglichen. Für den neuen Vorstand mit dem 1. Vorsitzenden Jan-Hendrik Köhler-Arp ging es in den ersten 100 Tagen und auch schon vorher darum, in die Zukunft zu planen. Und das gilt für die Kita ebenso wie für das DRK-Haus am Strand, wie die Kleiderkammer und auch andere ehrgeizige Projekte. Auch die Versorgung der Laboer Flüchtlinge und Asylbewerber beschäftigt den neuen Vorstand und die Mitglieder des Ortsvereins.

„Wir wollen wieder mehr soziale Mitte des Ortes sein“, sagt Jan-Hendrik Köhler-Arp. Und dazu gehört auch, bei allen Aktivitäten die ureigenen Eigenschaften heraus zu stellen, die das DRK „im Schilde“ führt. Dazu gehören Menschlichkeit, Überparteilichkeit, Unabhängigkeit, Einheit, Universalität, Neutralität und Freiwilligkeit. Was man insgesamt als sehr ehrgeizigen Anspruch sehen dürfte. Aber zuerst einmal gilt der Dank allen Laboern, die mit ihren Spenden dazu beigetragen haben, das Laboer DRK vor einer möglichen Insolvenz zu bewahren. Nur eine von vielen hilfreichen Aktionen war die Spende der Bäckerei „Steiskal“: Deren Geschäftsführung stellte dem DRK Kekse für insgesamt 2.000 Tüten zur Verfügung, die die Mitglieder später verkauften. Und auch wenn ein langfristiger Schaden abgewehrt werden konnte, bleibt ein übler Nachgeschmack. Denn das eigene Vermögen des DRK-Ortsvereins in Höhe von 75.000 Euro werden Vorstand und Mitglieder wohl endgültig abschreiben müssen. Deshalb wurde auch Vorsorge getroffen. Ein Steuerberater wird künftig garantiert keine Vollmacht mehr bekommen. Vielmehr arbeiten die DRKKitas nach dem „Vier-Augen“- Prinzip zusammen, sodass die Konten immer doppelt überprüft werden. Aber auch konzeptionell weht ein frischer Wind in der DRK-Kita: Denn die wurde „auf den Kopf gestellt“, um künftig zukunftsorientierter arbeiten zu können. Und dafür sorgen neue Dienstpläne, die deutlich transparenter sind. Als „Anwalt des Kindes“, wie vom Kreis nahegelegt, sorgt man auch in Laboe dafür, aus glücklichen Kindern glückliche Erwachsene zu machen. Und dafür sorgen neben einer rundum guten Betreuung auch die Gesundheitsförderung mit Umstellung auf gesunde Ernährung und körperliche Ertüchtigung. Zwei Mal in der Woche steht Sport für die Kleinsten auf dem Programm. Sprachpädagogik, Sucht- und Gewaltprävention werden durch Mitarbeiter mit einer Fachausbildung vermittelt. Das Konzept wurde bereits beim Kreis eingereicht. Apropos Konzept: Eine Umfrage unter den Eltern erbrachte zwar eine hohe Zufriedenheit bis 90 Prozent, allerdings spielt das DRK als Betreiber und seine Philosophie dabei eher eine untergeordnete Rolle. Hier will man sich mehr profilieren. Mit 210 Mitgliedern ist der Ortsverein eigentlich gut aufgestellt. Allerdings macht sich auch hier der demografische Wandel bemerkbar. Man würde sich deutlich mehr jüngere Mitglieder wünschen. Immerhin: Der Beitrag wurde erst kürzlich fast verdoppelt, aber nur zwei oder drei Austritte wurden verzeichnet. Ihnen gegenüber stehen fünf Neuzugänge. Sehr erfreulich war die Bilanz beim jüngsten Blutspendetermin: 65 Spender wurden zur Ader gelassen, allein sieben Neuzugänge jener, die durch Spenden Leben retten wollen, konnten verzeichnet werden. Dringend gesucht werden aber noch freiwillige Helfer, die bei den Blutspendeterminen Brote schmieren und Karteikarten füllen. Aber auch weitere Blutspender sind immer willkommen. Vor noch nicht allzu langer Zeit stand der Ortsverein vor der Frage, ob er die Kleiderkammer komplett schließen sollte oder ein neues Konzept erarbeiten müsste. Die Situation hat sich aber mittlerweile komplett geändert. Denn die Kleiderkammer ist gefragt wie nie, was nicht nur, aber zu einem großen Teil mit den Flüchtlingen und Asylbewerbern zu tun hat. Zwei Mal in der Woche hat die Kleiderkammer am Donnerstag von 15 bis 17 Uhr und am Dienstag in der gleichen Zeit für Flüchtlinge und Asylbewerber geöffnet. Das DRK arbeitet hier eng mit dem vierköpfigen Koordinationsteam zusammen. Dringend benötigt werden noch Herrenbekleidung in kleineren Größen und Kleidung für ganz kleine Kinder. Hier bittet das DRK aber darum, keine Kleidung zu spenden, die schon diverse Male gewaschen wurde und ebensolche Spuren erkennen lässt. Gefragt sind auch Herrenschuhe und Winterbekleidung sowie Staubsauger. Allerdings bittet das DRK darum, dass nicht einfach Kleiderspenden vor der Tür abgestellt werden. Apropos Flüchtlinge: Wer sich im DRK-Team registrieren lassen will, um auch schon mal spontan mit anzupacken, kann das unter: drk-sh.de/teamsh. Auch in das DRK-Haus am Strand soll wieder mehr Leben einziehen. In diesem Sommer mussten die freiwilligen Mitarbeiter in insgesamt 106 kleinen und größeren Fällen erste Hilfe leisten. Allerdings ist auch hier Nachwuchs gefragt: Denn das Ersthelfer–Team rekrutiert sich aus einer „tollen Riege älterer Damen“. Wer also Lust hat, Erste Hilfe zu lernen oder die wichtigsten Handgriffe schon beherrscht, kann das Team verstärken. Freiwillige Ersthelfer, die auch noch Mitglieder im DRK werden, werden gratis ausgebildet. Das DRK-Haus am Strand soll mit weiteren Veranstaltungen, etwa für Vereine, belebt werden. Das Gleiche gilt für den Besuchs- und Betreuungsdienst. Den gibt es zwar schon sporadisch, aber er soll zum festen Bestandteil des Laboer DRKAngebotes werden. Sinn und Zweck ist es, ältere, einsame Menschen in Altenheimen oder auch der eigenen Wohnung zu besuchen und vielleicht auch den einen oder anderen Einkauf zu erledigen. Für diesen Dienst fehlen aber noch Freiwillige. Und als wäre das noch nicht genug, wird der Laboer Ortsverein auch noch eine neue Website freischalten. Das passiert voraussichtlich noch in diesem Herbst. Nutzern wird es auch möglich sein, über facebook auf aktuelle Entwicklungen und Wünsche zurück zu greifen. Am „Blaulichttag“ werden im kommenden Jahr alle offiziellen Blaulicht-Institutionen ihre Aktivitäten vorstellen. Dazu gehören neben dem DRK auch die Seenotretter, die Freiwillige Feuerwehr und die Polizei. Ziel ist es, mögliche Freiwillige, aber auch womöglich hauptamtlichen Nachwuchs zu interessieren. Regelmäßig ein Mal im Monat bietet das DRK auch Fachvorträge in der Kita an. Themen sind Patientenverfügung oder Flüchtlingskonvention. Am Montag, 23. November, wird das Erbrecht im Vordergrund stehen. Beginn ist jeweils um 19 Uhr. Aber egal, um welche Aktivität es nach 100 Tagen geht, Jan-Hendrik Köhler-Arp und seine Kollegen vom DRK-Ortsverein freuen sich darüber, dass, „wir so gut mit anderen Institutionen und Vereinen zusammen arbeiten“. Philine Stoltenberg

Quelle: Probsteier Herold

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