Die neue "Berlin" nimmt Form an

So soll die neue "Berlin" samt Tochterboot aussehen, die im kommenden Jahr für Laboe in Dienst gestellt wird. Foto: DGZRS

Laboe/Berne. Seesalz auf den Lippen, die steife Brise in den Haaren und Spritzwasser im Nacken: Diese Arbeitsbedingungen wird Michael Müller bald vermissen. „Das wird schon eine Umstellung“, sagt der Vormann des Rettungskreuzers „Berlin“. Seit 18 Jahren fährt Müller den Rettungskreuzer der Station Laboe. Gestern stand der 47-Jährige erstmals auf dem Deck der neuen „Berlin“. Nach 30 Dienstjahren und Tausenden Einsätzen wird der Rettungskreuzer im Herbst kommenden Jahres von einem größeren Neubau mit gleichem Namen abgelöst. Die neue „Berlin“ wird moderner, schneller und größer. Das wurde bei der Kiellegung auf dem Gelände der Fassmer-Werft an der Weser klar. Für die Besatzung ändert sich einiges: Die offene Brücke mit dem Fahrstand im Freien wird durch ein geschlossenes Steuerhaus ersetzt, das verglast und klimatisiert ist. Die Fahrt im „Cabrio“ empfand Müller in den vergangenen 18 Jahren als etwas Besonderes. „Der Überblick auf der offenen Brücke ist ein ganz anderer“, sagt er, aber der Neubau mit der geschlossenen Brücke habe auch Vorteile. „Wir waren schon mal beim Schwesterschiff des Neubaus auf Amrum und haben es uns angeschaut“, sagt Dirk Göttsch, Maschinist auf der „Berlin“. Zusammen mit den Kollegen Kay Sörensen und Henry Hildebrandt konnten Göttsch und Müller beim Werftbesuch von dem Neubau aber lediglich Spanten und viele Einzelteile sehen. Die Fassmer-Werft hatte sich den Auftrag im Frühjahr gesichert. Als Ablieferungsdatum war eigentlich Anfang 2017 geplant. „Das wird früher. Die Werft macht wirklich gute Arbeit“, sagt Müller. „Wir freuen uns darüber, dass wir das Vertrauen bekommen haben. Wir sind stolz darauf, diesen Kreuzer bauen zu dürfen“, sagt Werftinhaber Harald Fassmer. Der aus Aluminium bestehende Rumpf wird in den kommenden Monaten montiert. Noch liegt er mit dem Kiel nach oben in der Halle. Im Frühjahr soll er gedreht und für den Einbau der Maschinen und anderer Komponenten hergerichtet werden. Im Spätsommer wird das Schiff dann zu Wasser gelassen. Feierlich wurde die Kiellegung des Neubaus, als zwei Leistungsseglerinnen des Berliner Vereins „Seglerhaus am Wannsee 1867“ eine Gedenkmedaille der Stadt Berlin am Schott des Maschinenraums anbrachten. Steuerfrau Annika Bochmann und Vorschoterin Marlene Steinherr wünschten Schiff, Besatzung und Werft viel Erfolg. Das Duo trainiert in Schilksee für die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro. „Es ist es ein gutes Gefühl, wenn wir auf der Kieler Förde trainieren und dabei die ,Berlin’ sehen“, sagte Steinherr. „Wir sind so oft an der Ostsee, deshalb kennen wir die Arbeit der Seenotretter“, so Bochmann. Die neue „Berlin“ wird mit knapp 28 Metern und einer Verdrängung von 120 Tonnen etwas größer als die Vorgängerin, die 27,5 Meter lang ist und 103 Tonnen verdrängt. Eine Veränderung gibt es auch bei der Ausstattung: Die neue „Berlin“ hat mehr Kraft. Im Neubau stehen zwei 16-Zylinder-V-Motoren mit 3916 PS im Maschinenraum. Die 1985 gebaute Vorgängerin hat drei kleinere MTU-Dieselmotoren. Bei der Höchstgeschwindigkeit soll der Neubau nach Auskunft der Seenotretter 24 Knoten schaffen. Die rund zehn Millionen Euro für den Neubau finanziert die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) ausschließlich aus Spenden und Zuwendungen.

Quelle: Kieler Nachrichten

Zurück