"Brauchen klare Aussagen der Gemeinden"

Soll einem Neubau weichen: Aldi-Markt am Ortseingang von Laboe. Der Bauausschuss möchte wieder ein Gründach. Foto: Th. Christiansen

Laboe – So manch einem Laboer wird die Situation surreal vorgekommen sein: Da gibt es in einer überschaubaren Gemeinde in Nordrhein-Westfalen Kommunalpolitiker, die stolz auf einen Trägerverein sind, der ihr Hallenbad erfolgreich zum Bürgerbad machte. Gibt es nicht? Doch, und zwar in Nachrodt-Wiblingwerde. Und Christian Pohlmann vom dortigen Trägerverein war zur Podiumsdiskussion „Was ist passiert? Ist etwas passiert?“ eingeladen worden, um den Laboern unter anderem zu zeigen, dass Kommunalpolitiker und Nachrodt-Wiblingswerdes PRO-Schwimmhallen-Vertreter trotz anfänglicher Skepsis an einem Strang zogen, weil ein überzeugendes Konzept existierte und das ehrenamtliche Engagement im Örtchen mit dem Hallenbad, das jetzt Bürgerbad ist, überwältigend ist.

Rund 120 Laboer waren zur Podiumsdiskussion gekommen, die glücklicherweise durch Moderator Martin Lätzel geleitet wurde. Denn spätestens bei den ersten Aussagen von Laboes Kommunalpolitikern machte vor allem der eine, aber auch andere ihrem Unmut durch Dazwischenrufen immer wieder Luft. Ohne Zwischenrufe konnte Pohlmann das Konzept „Bürgerbad“ vorstellen. Im Jahr 2013 war das Hallenbad aus Kostengründen geschlossen worden. Schließlich wurde es für einen symbolischen Euro an den Trägerverein übergeben. Jährlich unterstützt die Gemeinde das heutige Bürgerbad mit dem Betriebskostenzuschuss. Sponsorensuche, Verwaltung, Reinigung, Marketing und Wasserflächenreinigung werden ehrenamtlich erledigt. „Unsere Politiker waren zu Anfang skeptisch“, sagte Pohlmann zu einem Zustand, der sich in Laboe schon längst nicht mehr auf den Anfang beschränkt. Dem Verein wurde eine Probezeit von anderthalb Jahren eingeräumt. Jetzt wurde der Vertrag wegen des erfolgreichen Verlaufs weiter verlängert. Pohlmann: „All das funktioniert aber nur durch das große ehrenamtliche Engagement.“ So erklärten sich ortsansässige Handwerker bereit, die durch die Schließung entstandenen Schäden zu beseitigen. Bei der Reinigung des Bades sind Ehrenamtliche derart engagiert, dass die Reinigungszeiten um eine Woche verringert werden konnten. Vereine und Nutzer erklärten sich bereit, sich an der Reinigung zu beteiligen. Regelmäßig finden im Bürgerbad Events wie etwa das Mitternachtsschwimmen statt. Die Werbeflächen werden auch viel von ortsansässigen Betrieben genutzt. Der Sportverein, der inzwischen eine Schwimmsparte gegründet hat, bietet Kurse an, in denen Schwimmabzeichen gemacht werden können. Und das Konzept geht auf, obwohl Nachrodt-Wiblingswerde kein Touristen-Magnet ist. Deshalb, so Pohlmann: „Ihr habt doch hier die besten Chancen mit den vielen Urlaubern.“ Deshalb seien die Reduzierung der Öffnungszeiten und die Einführung einer Mittagspause auch keine Lösungen – im Gegenteil. Es gehe darum, schwache Besucherzeiten mit anderen Angeboten auszugleichen. Auf Seiten der Laboer Kommunalpolitiker wurde das Konzept begrüßt. Martin Opp (Grüne Aktive Laboe): „Wir haben viele Anträge gestellt und immer wieder nachgefragt. Das Problem ist, dass in Laboe immer alle Gespräche abgeblockt werden.“ Andrea Harrje von den GRÜNEN: „Zwischenmenschlich geht hier ein Spalt durch den Ort. Diese aggressiven unterschwelligen Anfeindungen sind nicht hilfreich. Wir müssen zusammen arbeiten.“ Und: „Keiner von uns hat je eine Schwimmhalle repariert. Warum wird dieser Vortrag eigentlich erst in diesem Jahr gehalten?“ Stephan Matthiesen (LWG): „Ich war auch für den Bürgerentscheid. Allerdings finde ich es sehr unglücklich, dass die Bürgermeisterin nicht eingeladen wurde.“ Matthiesen weiter: „Wir haben hier einen wunderbaren Vortrag gehört. Ich könnte es mir vorstellen, das mit ihrer Unterstützung auch in Laboe umzusetzen.“ Die Änderungen der Öffnungszeiten hielten auch andere Fraktionsvorsitzende nicht für besonders glücklich. Carsten Leonhardt (Wir für Laboe) sprach schließlich das aus, was für viele Beteiligte im Vordergrund steht: „Wir brauchen das Gutachten und eine klare Aussage der Umlandgemeinden.“ Christian Matthes von PRO Schwimmhalle sieht in einem zweiten Bürgerentscheid keine Lösung. Wieder beharrte er auf dem bereits existierenden Konzept, das aber aus verschiedenen Gründen bei Laboes Gemeindevertretern nicht eben auf Gegenliebe stieß. Dass das Verfahren derartig „verschleppt“ wurde, wertete Matthes als „Verschwendung von Steuergeldern“. Aber trotz gegenseitiger Vorwürfe zeichnete sich auch ein Licht am Horizont ab und die Chance, dass sich erwachsene Menschen angesichts konstruktiver Ansätze vielleicht doch nochmal an einen runden Tisch setzen und miteinander reden könnte. Denn apropos Umlandgemeinden: Auch die Gemeinden des Amtsbereichs Schrevenborn seien am Erhalt der Laboer Schwimmhalle sehr interessiert, sagte Eckhart Jensen vom Amt Schrevenborn. Wesentlich sei deshalb, zuerst das Gutachten möglichst schnell auf den Weg zu bringen und das Ergebnis abzuwarten. Die Podiumsdiskussion hinterließ bei ihm den Eindruck eines „ziemlichen Durcheinanders“, machte aber auch Hoffnung. An Bürgermeisterin Ulrike Mordhorst, die trotz fehlender Einladung zugegen war, appellierte Jensen, die Amtsverwaltung verstärkt mit einzubinden. Denn Amtsdirektor Sönke Körber sei auch noch Vorsitzender der AktivRegion und verfüge über das notwendige Know How. Nach Erhalt des Gutachtens könne man sich zusammensetzen und etwa über die Gründung eines Zweckverbandes sprechen. In die gleiche Kerbe schlugen Wolf Mönkemeier, Amtsvorsteher des Amtes Probstei, und Karl Christian Fleischfresser, der an alle appellierte, wieder miteinander zu sprechen.

 Philine Stoltenberg 

Quelle: Probsteier Herold

Zurück