"Der Gegenwind hier in Laboe ist sehr schwach"

Gastbeitrag von Christian Pagel, DRK-Kreisverband Plöner Land.

Laboe (pst) Die Laboer sind sehr engagiert, wenn es um die Unterstützung von Flüchtlingen und Asylbewerbern geht: Unter der Federführung von vier Laboer Ehrenamtlichen wird derzeit dafür gesorgt, dass es den Flüchtlingen und Asylbewerbern bezüglich ihrer Grundausstattung an nichts fehlt. Und auch viele andere „Kümmerer“ stehen bereit, um bei Behördengängen und Einkäufen zu helfen und Deutschunterricht zu geben. In der Sitzung des BSKS-Ausschusses wurde jetzt eine Bilanz gezogen und in die Zukunft geschaut.

Insgesamt 34 Asylbewerber und Flüchtlinge leben inzwischen im Ostseebad und werden nach allen Kräften unterstützt. In der Mehrzahl sind es Syrer, aber auch Menschen aus Afghanistan, aus der Türkei, dem Jemen und Serbien. Eine Gruppe von vier Freiwilligen investiert sehr viel Zeit, um die Menschen zu unterstützen. Unter Laboes Flüchtlingen gibt es auch Analphabeten, allerdings auch Ärzte oder Ingenieure, die lieber heute als morgen wieder gerne arbeiten würden. Claudia Bern und die anderen freiwilligen Helfer überbrachten den Dank der Flüchtlinge – in der Hauptsache sind es junge Männer – die sich auch schon an der einen oder anderen Stelle nützlich gemacht haben. Der Dank ging aber auch an Gemeinde und das Amt und die vielen Laboer, die die „Neu-Laboer“ vor allem mit Sachspenden unterstützen. Kurzum: „Der Gegenwind hier in Laboe ist sehr schwach.“ Aber auch die Laboer rechnen mit einem wachsenden Zulauf. Deshalb wird dringend noch Wohnraum gesucht. Für Laboes Flüchtlinge steht jetzt das Lernen der deutschen Sprache im Vordergrund. Immer wieder erfreulich ist dabei zu sehen, wie schnell gerade Kinder fremde Sprachen lernen. So ehrgeizig sind manche von ihnen, dass sie sich schon wünschen, „bitte Deutsch mit ihnen zu sprechen“. Insgesamt sechs Kinder sind es im Ostseebad. Und im Oktober wird der Deutschunterricht noch intensiviert: Denn ab dem Die Flüchtlingsströme sind Ausdruck einer humanitären Katastrophe größten Ausmaßes. Die sich stets überschlagenden Ereignisse durch die stets gewaltigen Zahlen an Neuankömmlingen haben den Vorstand des DRK-Kreisverbandes Plöner Land, Christian Pagel, dazu bewogen, die ehrenamtlichen Einsatzkräfte in erhöhte Bereitschaft zu versetzen. Noch gibt es im Kreis Plön zwar keine zentrale Einrichtung als Erstaufnahme oder Zwischeneinrichtung für Flüchtlinge, aber „die Einschläge kommen näher“, wenn man sich nur die geschätzten Zahlen vor Augen führt. Für viele Menschen findet in den DRK-Aufnahmeeinrichtungen erstmals gefühlt die wohl längste und schicksalhafteste Reise ihres Lebens ein vorläufiges Ende. Egal, wie karg und ungemütlich die Wohncontainer oder Schlafparzellen für uns aussehen – darin sind sich annähernd alle Flüchtlinge auf Nachfrage einig: Es ist das schönste Erlebnis seit sehr langer Zeit, endlich einmal wieder in Sicherheit und Ruhe schlafen zu können! Aus diesem Grund ist eine sehr bunte Willkommenskultur mit Luftballons und Papiergirlanden zwar eine liebenswerte Geste und ein sehr positives Zeichen – sie ist jedoch aus meiner persönlichen Sicht fast schon zu viel des Guten. Die Menschen, deren Reise hier so abrupt endet, müssen ohnehin extrem viele neue Eindrücke verarbeiten: Eine fremde Umgebung, ein bürokratisches Aufnahmeverfahren, noch nicht vorhandenes Vertrauen in unseren Staatsapparat, die Konfrontation mit einer so anderen Kultur, die Suche nach Familienmitgliedern und so weiter. Sehr viel wichtiger ist eine gesunde Willkommenskultur und nachhaltige Integrationsarbeit in den Kommunen. Wer den Flüchtlingen aktiv helfen will, kann sich in seiner Kommune als Flüchtlingshelfer oder sogar Sprachpate betätigen. Im Bereich der Erstaufnahmen sollte die Flüchtlingsbetreuung hingegen in den Händen geschulter Fachkräfte bleiben. Hier können unter Umständen spontane Hilfsangebote oder das Abliefern von Sachspenden eher störend wirken. Es gibt viele Möglichkeiten, sich aktiv zu beteiligen. Anmeldemöglichkeit als Ehrenamtlicher Flüchtlingshelfer im DRK TeamSH im Internet unter www.drk-sh.de. 1. Oktober beginnt ein „Starterkurs“ für Neuzugänge, der vom Bund finanziert wird. Drei Mal wöchentlich wird ihnen in insgesamt 100 Stunden von einem studierten und ausgebildeten Lehrer Deutsch beigebracht. Zwei Asylsuchende konnten sich schon gut im VfR als Nachwuchs- Kicker bewähren. Die Kleiderkammer des DRK verzeichnet einen sehr regen Zulauf, so sehr, dass der Vorsitzende Jan-Hendrik Köhler-Arp und sein Team über erweiterte Öffnungszeiten und eine Verstärkung des Verkaufsteams nachdenken. Das ehrenamtliche Laboer Team steht auch in Kontakt zu anderen Einrichtungen und Flüchtlingsbetreuern in Schönberg, Probsteierhagen und auch Brodersdorf. Es ist geplant, die Ehrenamtlichen bei ihren Aufwendungen finanziell zu unterstützen. Mittlerweile sind schon einige Laboer Garagen mit vielen gespendeten Sachen gefüllt. Aber es geht auch darum, gerade sehr begehrte Sachen zu spenden. Und unter denen sind in der Hauptsache gebrauchte Computer und auch Fahrräder. „Zusammen & gemeinsam“ ist der Titel eines Kennenlern-Nachmittags für alte und neue Bewohner des Kiebitzredders, der heute um 15 Uhr auf dem Spielplatz im Kiebitzredder beginnt. Wer gezielt Computer, Fahrräder, aber auch andere nützliche Sachen spenden will, kann sich an den Sprecher der vier Ehrenamtlichen, Kai Rönnau, unter der Telefonnummer 04343-424320 wenden. 

Quelle: Probsteier Herold

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