Leben und Erfahrung zeichnen die Werke

"Malen ist Lebenslust" - Gisela Bratumyl hat ihre Malbegeisterung spät entdeckt. Seit 14 Jahren arbeitet sie mit Farben, Ton und Pappmaschee Foto: Astrid Schmidt (2)

Wer in der Laboer Straße Börn in Richtung Jachthafen Baltic Bay spaziert, kommt an dem Atelier von Gisela Bratumyl vorbei. Es ist nicht zu verfehlen, denn im Fenster nehmen Die Lachenden Alten oder der Seemann Johnny den Blick der Passanten gefangen. Nicht selten sich die Spaziergänger ein Herz und klingeln bei der Künstlerin, die gern ihre Arbeitsräume öffnet. „Malen ist Lebenslust“, sagt Gisela Bratumyl. Die 68-Jährige hat ihre Malleidenschaft erst vor etwa 14 Jahren entdeckt. Die Laboerin spürte den Drang, mit Farben zu experimentieren, ließ sich von Künstlern in die unterschiedlichen Techniken einführen und erlebt heute den „Malrausch“, wie sie erzählt. Wenn sie in ihrem Atelier vor der Staffelei stehe, entstehen Bilder, von denen sie selbst immer wieder überrascht werde. „Viele Arbeiten sind ein wenig verrückt“, gesteht sie. Dazu zählt ganz bestimmt Der Weise Mann, Der Zeitungsmann oder Die Hommage, in der sich Details von Picasso oder Andy Warhol wiederfinden.  Am Anfang stehe zwar ihre Idee, doch die verändere sich mit jedem Klecks Farbe, der auf die Leinwand komme. „Wichtig ist auch der Seh-Abstand“, erzählt die Künstlerin. In Abständen umkreist sie ihr Bild, schaut immer wieder kritisch.  Drei VHS-Semester ist sie bei Christiane Minkenberg in die Schule gegangen, doch dann musste sie sich von ihrer Mentorin lösen. „Ich wollte etwas Eigenes machen, selbst Erfahrungen sammeln und meinen Stil entwickeln“, begründet Bratumyl.  Ihre Leidenschaft: Menschen und Gesichter. Woher die Vorliebe stammt? Die Künstlerin weiß es nicht. Doch immer wieder malt sie Menschen, und am liebsten welche, die das Leben und die Erfahrungen gezeichnet haben. Gesichter sind für sie wie ein Spiegel des Lebens. Da finden sich Bilder vom Christopher-Street-Day, von wettergegerbten Bauern, Ladys in knallroten Stöckelschuhen und immer wieder Frauen, deren Antlitz viel aus ihrem Leben zu erzählen scheint. Doch sie bannt die Gesichter nicht nur auf Leinwand, sondern formt sie auch aus Ton und Pappmaschee. „Die Menschen staunen immer, dass das nur Pappe ist, aber man kann damit herrlich arbeiten“, berichtet sie.  Ihre jüngste Idee sind die Geschichtenbilder. „Ich verwende Kalenderblätter, zerrupfe sie, lege sie zu Motiven auf Stoff oder Leinwand und klebe sie mit Tapetenkleister auf“, erklärt sie die selbst erdachte Technik. In die auf diese Weise collagierte Grundfläche setzt sie Menschen, die für den Betrachter in den Mittelpunkt rücken. Ernte in Äthiopien, Bibelleser, Peru – das sind nur drei der sechs Geschichtenbilder. Trennen kann sich die Künstlerin von ihren Schätzen übrigens nur schwer. „Ich liebe meine Bilder selbst viel zu sehr und alle, die ich bisher verkauft habe, fehlen mir“, verrät die Malerin. Ausstellungseröffnung am Freitag, 4. September, 17 Uhr. Besucher können unter anderem die Geschichtenbilder, Collagen mit Holzborke und Stahlspänen, ungebrannte Tonarbeiten und Skulpturen aus Pappe sehen. Die Ausstellung wird bis zum 27. September zu sehen sein. Öffnungszeiten: freitags bis sonntags, 11 bis 18 Uhr.   

Quelle: Kieler Nachrichten

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