Holz oder Stahl statt Kunststoff für Boote

Klassische Jachten dicht gedrängt im Laboer Gewerbehafen, hier vorn ein Folkeboot und ein Juniorboot nebeneinander. Foto: Astgrid Schmidt

Laboe. Das war ein Klassiker-Treffen der Superlative: Bestes Wetter, bester Wind, rund 150 klassische Jachten im neu gestalteten Laboer Hafen, beste Stimmung mit Musik bei Sonnenuntergang – mehr konnten sich die Freunde klassischer Jachten für ihre „German Classics“ am Wochenende nicht wünschen. Die German Classics sind Deutschlands älteste und größte Klassiker-Veranstaltung, die zum 25. Mal in Laboe einen Einblick in die Geschichte des Bootsbaus gab. Denn teilweise 100 Jahre alte Boote, vom Schärenkreuzer über Folkeboote und natürlich die legendären Zwölfer, die 12-mR-Jachten, sechs an der Zahl, bis hin zur feinen Hans-Jolle, zeigten die Vielfalt. Doch alle haben eines gemeinsam: Sie stammen aus der „guten alten Bootsbautradition“, nämlich als Boote noch aus Holz oder Stahl, nicht aber aus Kunststoff gebaut wurden. „Das kam erst Mitte der 1970er-Jahre“, erklärte Wilfried Horns, einer der Organisatoren. Für die Teilnehmer des Treffens ging es aber auch ums Gewinnen, denn die betagten alten Damen traten an die Regattalinie und schenkten sich nichts. „Unsere Boote wollen wir nicht nur zeigen, wir wollen sie auch segeln“, sagte Horns. Besonders eindrucksvoll waren die sogenannten Zwölfer, die Rennjachten, wie unter anderem die Thea oder die legendäre Zwölfer mit US-amerikanischer Crew, die schon den Americas-Cup holte und noch nie eine Regatta verloren geben musste. Einer der Höhepunkte war die Vergabe des Restaurierungspreises, der an den Kreuzer „Libertas II“ von Günther Meyer aus der Nähe von Bremen vergeben wurde. „Wir freuen uns besonders, dass sich in diesem Jahr gleich drei Eigner dafür beworben haben“, sagte Horns. Das war allerdings für die dreiköpfige Jury eine Herausforderung. „Wir schauen uns sehr genau an, welche Arbeiten ausgeführt wurden und wie dicht das restaurierte Boot am Original ist“, erklärte Schiffbauingenieur Norbert Stuntz. Bewertet wird auch der Anteil an Eigenleistung, um zu vermeiden, dass „diejenigen mit einer gut gefüllten Brieftasche einen Vorteil haben“, so Stuntz. Er räumte aber ein, es sei nicht immer sinnvoll, dass wichtige Arbeiten wie das Verlegen eines Teakholzdecks von Laien ausgeführt würden. „Da ist es oft für das Erscheinungsbild des Bootes besser, diese Aufgaben an Profis zu vergeben“, betonte der Fachmann. Auf der „Libertas II“ konnte die Jury dem Eigner Günther Meyer eine besonders gelungene Restauration bescheinigen. „Das ausgewaschene Teakdeck glänzt silbern, alte und neue Materialien wurden an Deck schön kombiniert“, urteilte Uwe Baykowski, Sachverständiger für klassische Jachten. Details wie die heute nicht mehr gebaute Winsch oder die Ledertasche für die Kurbel und andere liebevoll wiederhergestellte Details im Innenbereich flossen in die Bewertung ein. Es gab nicht nur die Kreuzer und Zwölfer, die im Hafenbecken dicht an dicht lagen, sondern auch besonders schöne Exemplare der Folkeboote oder Juniorboote. Eine steigende Anzahl von Schärenkreuzern, die aus Schweden nach Deutschland geholt werden, verzeichnen die Freunde klassischer Jachten. Die fühlten sich im neu gestalteten Hafen in Laboe wohl. „Die Gemeinde hat ordentlich etwas aus dem Hafenbereich gemacht“, lobte Horns. So konnten die Segler und ihre Gäste nicht nur tagsüber das maritime Flair genießen, sondern auch im Loungebereich mit den weißen Pagodenzelten bei Live-Musik und Sonnenuntergang die Tage ausklingen lassen.

Quelle: Kieler Nachrichhten

Zurück