Die Orgel erzählt Geschichten

Freuen sich auf "Peter und der Wolf": Sprecherin Maike Enterich und der Organist Eckard Broxtermann umring von Kindern in der Anker-Gottes-Kirche zu Laboe

 

Laboe. „Bei 55 Kindern habe ich aufgehört zu zählen“, sagte Maike Enterich sichtlich erfreut über den großen Andrang, den die Darbietung des musikalischen Märchens Peter und der Wolf am Donnerstag Nachmittag in der Laboer Anker-Gottes-Kirche auslöste. Zusammen mit dem Organisten und Kantor Eckhard Broxtermann inszenierte die stilecht in Felljacke und bunte Stoffe gekleidete Schauspielerin, Sängerin und Erzählerin eine für Orgel bearbeitete Version des 1936 am Moskauer Zentralen Kindertheater uraufgeführten Werks von Sergei Prokofjew.  Mit staunenden Augen und großen Ohren lauschten die aus der ganzen Probstei angereisten Kinder, nebst Stoffpuppen, Schmusetieren, Müttern, Großeltern, Lehrern, einigen Vätern und Feriengästen sowie eine Schulklasse aus Heikendorf der abwechslungsreichen Erzählung, bei der jede Figur ein eigenes musikalisches Thema hat. „Es ist immer wieder spannend zu sehen, ob es gelingt die Kinder zu fesseln“, erklärte Maike Enterich nach dem musikalischen Spaziergang durch das ländliche Russland. Die unter anderem aus der TV-Serie Der Landarzt bekannte Schauspielerin brachte mit ihrer klaren Stimme, kontrollierter Gestik und Mimik und manchmal einem strengen Blick über ihre Brille die kleinen Gäste, die sich teilweise auf Kissen am Kirchenboden um sie geschart hatten zum Nachdenken, Lauschen, Luft schnappen und Jauchzen. „Wir machen das jedes Jahr im Rahmen des Orgelsommers, um den Nachwuchs für Musik zu begeistern“, sagte Eckhard Broxtermann. Er imitierte auf der Empore mit der klangvollen Seifert-Orgel die einzelnen Tierstimmen, begleitete Peters Spaziergang musikalisch, ließ dem Ärger des Großvaters seinen Lauf und die Gewehrschüsse der Jäger durch das immer wieder sonnendurchflutete Halbdunkel des 1972 erbauten Gotteshauses der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Laboe hallen. Manche Kinder zogen sich die Kapuze über den Kopf oder hielten sich die Ohren zu, als der Wolf dramatisch musikalisch begleitet die Ente frisst. Spürbare Erleichterung allenthalben und lachende Gesichter waren zu sehen, als die Zuhörer die Ente am Ende aus dem Bauch des Wolfs quaken hörten, denn dieser hatte sie in der Eile bei lebendigen Leib verschluckt. Am Schluss gab es Gratulationen für den sechsjährigen Sebastian, der seinen Geburtstag feierte, Abschiedsgeschenke für drei aus Altersgründen ausscheidende Kinder des Kinderchores sowie zwischen den bunt leuchtenden Glasbausteinen ein gemeinsam gesungenes Fang mit mir den Regenbogen. Und den Hinweis, dass Kinder ab fünf Jahren, „die schon alleine die Schuhe binden und aufs Klo gehen können“ gerne im Kinderchor mitsingen können. „Mir macht es immer wieder Spaß“, zeigte sich Maike Enterich nach der Aufführung vom Enthusiasmus der Kinder begeistert, während Eckhard Broxtermann umringt von weit ausgestreckten Kinderarmen im Gemeindehaus russischen Zupfkuchen und massenhaft Lollies verteilte.  Weitere Veranstaltungen im Orgelsommer Laboe: Noch bis Ende August dauert der fünfte Orgelsommer in der Evangelisch-Lutherischen Anker-Gottes-Kirche am Brodersdorfer Weg in Laboe an. Regelmäßig gibt es dabei eine Orgelmatinee: Immer dienstags um 11 Uhr laden Organisten aus der Umgebung zu einer abwechslungsreichen halben Stunde Orgelmusik mit anschließender Erfrischung auf dem Kirchplatz ein.  Am Mittwoch, 15. Juli, gastiert um 20 Uhr der junge Berliner Kammerchor enCHORe unter der Leitung von Óscar Payá Prats. Im Gepäck haben die Sängerinnen und Sänger Chormusik von der Renaissance bis Barock und von der Romantik bis zur Moderne.  Die Laboer Märchen- und Musiknacht lockt am Freitag, 17. Juli, von 19 bis 23 Uhr. „Mit rein gar nix föng he an“, so übersetzt der schleswig-holsteinische Dichter Boy Lornsen die ersten Worte der Bibel „Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde“. Unter dem Motto Orgel & Plattdeutsch werden am Donnerstag, 6. August, um 20 Uhr, Achim Schuldt und Eckhard Broxtermann die Schöpfungsgeschichte lesen, interpretieren und an der Orgel improvisieren. Am Mittwoch, 19. August, um 21 Uhr sind mit der Aufführung von Nosferatu – Symphonie des Grauens Orgel & Stummfilm
Quelle: Kieler Nachrichten

 

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