Mit der „Gorch Fock“ und sogar etwas Wind über die Förde

So präsentierte sich die Parade am Strand von Laboe: Dort verteilten sich die Besucher dank der Größe des Strandes

Laboe/Kiel (pst) Es soll ja Windjammer- Muffel geben, die der festen Überzeugung sind, dass eine Parade wie die andere aussieht. Dieses Vorurteil wurde in diesem Jahr mal wieder widerlegt. Etwas übertrieben waren wiederum Fernsehberichte, in denen es hieß, dass „diese Parade die mit Abstand schönste überhaupt“ war. Aber wieder versammelten sich am Sonnabend Tausende von Schaulustigen rund um die Kieler Förde, um Groß- und Traditionssegler in Augenschein zu nehmen.
Viele „Sehleute“ waren schon etliche Stunden vor dem Start gekommen, um sich einen der besten Plätze zu sichern. Nicht wenige kamen gleich mit einer kompletten kleinen Campingausrüstung und der obligatorischen Kamera. Mit der werden dann alle Jahre wieder die vorbeischwimmenden Schiffe und Boote für die Nachwelt oder die Verwandten zuhause festgehalten. Und von wegen – „jede Windjammerparade ist wie die andere“: geht es doch immer wieder darum, ob das Wetter gut oder schlecht ist, die Segler unter vollem oder gar keinem Zeug auslaufen und die „Gorch Fock“ in ihrem Heimathafen zugegen ist oder nicht. Und weil das Kieler Schulschiff gerade mal nichts Anderes zu tun hatte, führte es die imposante Parade an. Am Wetter war natürlich mal wieder etwas auszusetzen. Statt strahlendem Sonnenschein war es etwas diesig. Und auch der Wind hätte ein wenig kräftiger wehen dürfen. Aber wen stören derartige Kleinigkeiten angesichts so stolzer Schiffe wie der „Sedov“, der russischen, 117 Meter langen Viermastbark, die trotz gestörter (politischer) Beziehungen an der Parade teilnahm. Schön anzusehen war auch die 109 Meter lange polnische „Dar Mlodziezy“, nach deren Namen gefragt, Keiner des Polnischen nicht kundige eine annährend korrekte Antwort geben konnte. Die Bark „Sea Cloud II“ nutzte eine Kreuzfahrt, um ihren betuchten Passagieren die Teilnahme an der Parade als „Schmankerl“ anzubieten. Viel Geduld mussten wieder die Mitsegler auf der Kieler Hansekogge haben. Sie ist nicht eben die schnellste, lief eigentlich 1991 vom Stapel, aber ursprünglich als Original im Jahr 1380. Damit sind aber nur einige der größeren Segelschiffe genannt, die neben diversen Traditionsseglern, aber auch Segel- und Motoryachten die Parade wieder zum echten maritimen Hingucker machten. Nicht fehlen durften auch in diesem Jahr auf keinen Fall die „Bussard“, die „Stettin“, die im gleichen Jahr wie die „Titanic“ vom Stapel lief und immer eine besondere Atmosphäre einbringt, die „Stadt Kiel“ und die „Vormann Jantzen“ der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger. Die ist allerdings kein historisches maritimes Gefährt, sondern unterstützte die „Berlin“ und die anderen Seenotrettungseinheiten beim Dienst während der Kieler Woche. Die gute Nachricht: Während dieser Festtage gab es nur wenige Notfälle. Zuletzt mussten zehn Schiffbrüchige von der „Berlin“ aus der Förde geholt werden. Ihr Boot war gekentert. An Land hatten es sich die Windjammerparaden- Fans zum Teil auch mit Klappstühlen und mitgebrachten Kühltaschen gemütlich gemacht. Andere Schaulustige sparten sich die Mühe und setzten auf das Angebot der heimischen Gastronomen. Ausnahmezustand herrschte mal wieder auf dem Möltenorter Weg in Möltenort. Dort müssen regelmäßig Rückspiegel leiden, weil gerade viele Auswärtige wohl nicht wissen, dass Einbahnstraßen-Regelungen auch im hohen Norden durchaus ernst gemeint und deshalb zu beachten sind. Nachdem viele der Paradenteilnehmer langsam wieder zurückgekehrt waren, war auch der schöne Spuk schnell wieder vorbei. Bis zum nächsten Jahr, in dem man wieder gespannt sein darf, ob bei einer der wahrscheinlich wieder mal schönsten Windjammerparaden die „Gorch Fock“ den Bug ganz vorne hat oder nicht. Quelle: Probsteier Herold

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