Laboer Steuerberater gesteht Millionen-Betrug

 

KIEL/LABOE. Zum Prozessauftakt um Untreue, Unterschlagung, Betrug und Urkundenfälschung (wir berichteten) hat der angeklagte Steuerberater (59) aus Laboe die Vorwürfe gestern vor dem Kieler Landgericht weitgehend eingeräumt. Danach erschlich sich der ehemalige Amateur-Rennfahrer über Jahre hinweg hohe Geldbeträge von Mandanten, um sie in hochspekulative Autogeschäfte zu stecken und einen aufwändigen Lebensstil zu finanzieren. Die Geschädigten, meist langjährige Bekannte, glaubten, der Finanzberater ihres Vertrauens würde ihre Mittel wie zugesichert in konservative Festgeldanlagen investieren. Stattdessen importierte er exklusive Sport- und Geländewagen. Auch ein Privatflugzeug, Immobilien in den USA und Schweden sowie Ausstellungshallen für Luxus-Karossen sollen angeschafft worden sein. Staatsanwalt Matthias Daxenberger beziffert den Gesamtschaden der zwölf angeklagten Fälle seit Mai 2008 auf 2,258 Millionen Euro. Die Verteidigung rechnete den Betrag gestern um mindestens 450 000 Euro herunter. Die Anklage habe hohe Rückzahlungen nicht berücksichtigt, hieß es. Der knappen, von Rechtsanwalt Wolfram Herdan verlesenen Erklärung des seit sechs Monaten in U-Haft sitzenden Angeklagten war ein zweistündiges Ringen der Prozessbeteiligten um eine verfahrensverkürzende Verständigung vorausgegangen. Nach Abschluss der nichtöffentlichen Gespräche sicherte der Vorsitzende der Strafkammer, Ulrich Lürssen, dem Angeklagten „für den Fall eines umfassenden, werthaltigen Geständnisses“ einen Strafrahmen zwischen vier und viereinhalb Jahren zu. Seine mitangeklagte Ehefrau (47) darf bei entsprechender Kooperationsbereitschaft auf eine maximal anderthalbjährige Bewährungsstrafe wegen Beihilfe hoffen. Den höchsten Betrag – knapp 1,2 Millionen Euro – hatte eine Mandantin dem Angeklagten anvertraut, die ihn seit 35 Jahren kannte. Das Geld war unter anderem für den Heimaufenthalt ihrer Mutter bestimmt. An eine sichere Altersversorgung glaubte auch ein Porsche-Käufer, der dem Angeklagten 825 000 Euro überließ. Wie in den meisten Fällen flossen als „Zinsen“ deklarierte Beträge an die Geldgeber zurück. Nach dem Schneeballsystem soll der Steuerberater die dringendsten Forderungen mithilfe von Mitteln weiterer Investoren befriedigt haben. Am Ende spitzte sich die desolate Finanzsituation immer weiter zu. Als schließlich der Gerichtsvollzieher vor der Tür stand, will der Angeklagte seine als Mitarbeiterin beschäftigte Ehefrau aufgefordert haben, für den Kindertagesstätten- Betrieb des Deutschen Roten Kreuzes bestimmte Gelder, insgesamt 175 000 Euro, auf sein letztes, noch nicht gepfändete Konto zu leiten. Sie habe nur unter der Bedingung rechtzeitiger Rücküberweisung zugestimmt, erklärte der Angeklagte gestern zu ihrer Entlastung. Von Thomas Geyer

Quelle: Kieler Nachrichten

 

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