Ein Stück Lebensqualität weniger

Am stärksten sind die Senioren wie (von links) Inge Harder, Edith Schluff, Elisabeth Schreier und Ellen Hartmann im Grammerstorfschen Hof von der Schließung des Taxibetriebes betroffen

 Laboe. Seit 1. Februar gibt es im Ostseebad Laboe, wie berichtet, keinen Taxibetrieb mehr. Das bekommen vor allem die Senioren zu spüren, die bisher regelmäßig den Fuhrbetrieb nutzten, um Besorgungen im Ort zu erledigen, sich zu treffen oder einfach nur spazieren zu gehen. Auch der DRK-Kindergarten ist betroffen und muss derzeit improvisieren. Von Astrid Schmidt

Es ist Viertel vor elf. Im DRK Kindergarten im Bauernvogtredder (Neubaugebiet im Oberdorf) kocht eine Hauswirtschafterin das Mittagessen für die rund 80 Kinder im Haupthaus. Doch seit einem Jahr gibt es im Schwanenweg im Gewerbegebiet am anderen Ende des Ortes eine Kinderkrippe mit 20 Kindern, die ebenfalls mit Mittagessen versorgt werden müssen. Bisher erledigte das ein Taxi – je Tour für 3 Euro, wie Kindergartenleiterin Gabriele Ludwig erklärt. Laut Amt Probstei sei dies günstiger, als eine zweite Hauswirtschafterin für den Schwanenweg einzustellen. Doch das sei nun vorbei. Jetzt müssen die Erzieher selbst aktiv werden, beladen Tag für Tag den Privat-Pkw und fahren Essen und Geschirr hin und her. „In der Zeit fehlt die Erzieherin aber in der Gruppe“, sagt Ludwig. Das könne keine Dauerlösung sein. Deshalb suchen die DRK-Mitarbeiter nun nach Freiwilligen, die einen solchen Fahrdienst übernehmen würden. Auf der Suche nach Alternativen, wie beispielsweise einen Fahrdienst in Kooperation mit anderen Einrichtungen, ist man auch in der Seniorenresidenz Grammerstorfscher Hof im Oberdorf, wie Leiterin Christa Kahl- Burbach erklärt. Dort seien nämlich eine große Anzahl von Senioren regelmäßig mit dem Taxi zum Frisör, zur Apotheke, zum Essen oder auch nur vom Spaziergang zurück in die Seniorenwohnanlage gefahren. „Wir kommen einfach den Berg nicht wieder rauf“, erzählt Ellen Hartmann. Sie sei jetzt auf Verwandte angewiesen, die sie dann mal fahren. Auch für Elisabeth Schreier und Edith Schluff war das Taxi ein Stück Lebensqualität. Durch die Schließung des Betriebes sei ihre Mobilität stark eingeschränkt. Die erste Erfahrung mit den neuen Verhältnissen, sprich höhere Kosten und mehr Planung, hat Inge Harder gemacht. „Ich wollte zum Essen in die Seeterrassen, das sind 800 Meter. Das Taxiunternehmen in Heikendorf berechnet aber 5 Euro Anfahrt und nochmal 5 Euro je Tour. Das wird ein teurer Grünkohl“, sagt die 92-Jährige. Bis jetzt, so erzählt sie, brauchte sie mit ihrem Handy nur Laboe 7080 anrufen und schon wurde sie dort im Ort abgeholt, wo sie nicht mehr weiterkonnte. „Das funktioniert jetzt nicht mehr.“ Sie bedauere, dass der Bürgermeister sich zu diesem „Notstand“ bisher nicht geäußert und nach Alternativen gesucht habe. „Es könnte doch ein Shuttlebus eingesetzt werden, der zweimal am Tag hinund herfährt“, schlägt die Seniorin vor.
Quelle: Kieler Nachrichten

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