An der Schwimmhalle scheiden sich die Geister

Sie kommt einfach nicht zur Ruhe und schlägt weiter, auch ohne entprechende technische Ausrüstung, hohe Wellen: An der Meerwasserschwimmhalle scheiden sich nicht nur die Geister, sie erhitzt auch die Gemüter

Laboe – Es ist ja nicht so, dass der Bürgerentscheid über die Zukunft der Meerwasserschwimmhalle (MWSH) in Laboe für Friede, Freude und sorgloses Badevergnügen gesorgt hat. Ganz im Gegenteil. Denn fest steht zwar, dass die MWSH dem Ostseebad für zwei weitere Jahre erhalten bleibt. Ganz und gar nicht fest steht aber weiterhin, wer die defizitäre Halle wie bezahlen soll. Und die belastet Laboes Haushalt derart, dass allein drei Beschlüsse in der vergangenen Sitzung der Gemeindevertretung abgeschmettert wurden. Der Wirtschaftsplan 2015 wurde ebenso torpediert wie der Haushaltsplan der Gemeinde für das kommende Jahr. Und schließlich musste auch die Änderung der Parkgebührenverordnung daran Glauben. 

Für das Ostseebad könnte das alles über kurz oder lang üble Folgen haben. Denn jetzt gehen die Themen wieder zurück in die Ausschüsse und danach in die GV. Sollte wieder keine Einigung erzielt werden, schwebt irgendwann das Damoklesschwert der Kommunalaufsicht über der Gemeinde. „Sollte es so weitergehen, lasten wir auch den folgenden Generationen vielleicht schon im kommenden Jahr acht Millionen Euro Schulden auf. Und das, damit ein paar Kinder schwimmen gehen können“, sagte Jörg Erdmann (CDU) und: „Eigentlich sollte der Bürger noch mehr belastet werden.“ Denn das Ergebnis des Bürgerentscheids zeigte zwar, dass die Laboer ihre Halle behalten wollen – ein Patentrezept zur Finanzierung wurde aber immer noch nicht gefunden. Auch Jürgen Schröder (LWG) machte seinem Unmut deutlich Luft. Denn wieder wurde über eine Erhöhung der Gewerbesteuer diskutiert und eventuelle andere Einsparmaßnahmen, die laut Bürgermeister Walter Riecken aber streng genommen nur einen Tropfen auf den heißen Stein bedeuten würden. Schröder: „Das wäre die dritte Erhöhung der Gewerbesteuer in einigen Jahren. Das trage ich hier nicht mit. Damit werden Gewerbebetriebe abgeschreckt. Es muss den Menschen bewusst werden, was hier passiert.“ Und um Laboes Finanzen ist es wahrlich nicht rosig bestellt. Beispiel Eigenbetrieb, für den ein Jahresverlust von 675.000 Euro errechnet wurde. So beläuft sich der Verlust im Bereich Tourismus auf 124.000, im Bereich Hafen auf 300.000 und MWSH auf 521.000 Euro. Zur Deckung des Verwaltungshaushaltes, so erläuterte Walter Riecken, musste bereits Laboer „Tafelsilber“ verkauft werden, eine Maßnahme, die eigentlich zu den letzten gehören sollte. Und, so Walter Riecken: „Im kommenden Jahr stehen wir vor dem gleichen Problem.“ Ulrike Mordhorst (SPD): „Ich sehe momentan keine Maßnahmen, wie wir mehr Einnahmen generieren.“ Alle Fraktionen begrüßten indes die gemeinsamen Gespräche mit den Bürgermeistern der Nachbargemeinden aus dem Amt Probstei und dem Amt Schrevenborn. Inwieweit die aber zu möglichen Lösungsansätzen führen können, steht auch noch nicht fest. Eine Schlüsselfrage, wenn vielleicht von ihr auch so nicht beabsichtigt, stellte eine Laboerin in der Einwohnerfragestunde: „Warum versteht sich die Gemeinde nicht so gut mit Vereinen wie Freya Frahm, MWSH und anderen.“ Darauf Walter Riecken: „Wir haben keine Probleme mit dem Förderverein Freya- Frahm-Haus oder anderen. Ich gebe zu, dass es sich mit den MWSH-Aktivisten anders verhält. Wir können bestimmte Forderungen nicht erfüllen und verfolgen schon mal andere Zielsetzungen.“ Angesichts hoher Defizite und langfristig drohender Kommunalaufsicht ließ die nächste Frage der Besucherin vermuten, dass die Schwerpunkte in der Tat sehr unterschiedlich gelagert sind. Fragte sie doch: „Werden die Umkleidekabinen aus Damp, die schon lange gelagert werden, endlich mal eingebaut?“ Angesichts offensichtlich höher gelagerter Fragestellungen antwortete Walter Riecken hier mit einem klaren „Nein“. Denn wie sinnvoll ist es, 40 Jahre alte Kabinen für 30.000 Euro gegen 15 Jahre alte Kabinen auszutauschen, die vielleicht noch 20.000 Euro wert sind? Und ob man nun Gewerbesteuer, Zweitwohnungssteuer, Hundesteuer erhöht oder woanders kleine Summen abzweigt – fest stand für alle Gemeindevertreter, dass Laboe sich absolut keinen Gefallen damit täte, als Gemeinde mit den höchsten Steuersätzen im Kreis Plön dazustehen. Philine Stoltenberg 

Zurück